18. Tag (12. September)
Es ist noch früh am Morgen, es regnet immer noch und ich sitze
wieder einmal in einer Busstation und warte auf die Abfahrt zu
einem Ziel in den Staaten. Für mich eine doch ziemlich eigenartige
Situation, da Erinnerungen an meine großen Bustouren von vor 6
Jahren in mir hoch kommen.
Ja, gestern Abend hatte ich noch eine nette Bekanntschaft gemacht.
Ich wollte mich gerade auf dem Weg in die Stadt machen um etwas
zu essen, da treffe ich vor der Tür Patricia aus Mexico City,
die gerade ein Zigarette geraucht hat. Spontan gehen wir gemeinsam
ins Irish Pub und irgendwann am Abend fängt sie zu erzählen an,
als sie vor ungefähr einem Monat ihre Hochzeit platzen ließ, warum
sie nun in Kanada ist und das sie sich nun wieder auf Jobsuche
machen muss wenn sie nach Mexico City zurück kommt. Ich frage
mich nur warum das Leben bei manchen Leuten so laufen muss wie
es läuft. Jedenfalls waren wir so gegen Mitternacht wieder im
Hostel zurück. Patricia musste sich noch die halbe Nacht um die
Ohren hauen, da sie für diese Nacht kein Bett mehr bekommen hatte
und ihr Flieger erst in dem Morgenstunden geht. Aber ich denke
sie wird wohl auf dem Sofa im TV Raum ein bisschen Schlafen bekommen
haben.
Meine Güte bin ich froh darüber das wir in Europa keine Grenzkontrollen
mehr haben. Alle Fahrgäste mussten ihr ganzes Gepäck ausladen
und durch die Immigration tragen. Dabei reisen wir aus einem Land
in die Staaten ein, von dem man annehmen sollte das es die geringsten
Probleme gibt. Mir wurden wieder einmal jede Menge Fragen gestellt
und ein Ami musste seine Taschen auspacken. Aber nun bin ich wieder
in den Staaten und in Providance angekommen. Joe wird mich netterweise
in ein paar Minuten am Busterminal abholen, nachdem ich ihn gerade
angerufen habe. Somit beginnt nun der zweite Teil meiner Reise.
Morgen Abend werden dann Jens, Denis und Uwe aus Europa rüber
kommen und dann sehen wir mal was wir hier machen.
Es ist immer wieder toll wenn man irgendwo in der Welt ankommt
und in Empfang genommen wird. Nachdem wir das Gepäck im Auto verstaut
hatten fuhren wir anschließend zu einer Golf Driving Range und
haben zum Ausgleich ein paar Bälle geschlagen. Ich hatte schon
lange nicht mehr gespielt, aber es hat zu meiner Überraschung
gut geklappt. Danach waren wir noch beim Inder etwas essen und
haben noch hinterher im Irish Pub ein Bier gezogen, bevor wir
schließlich zu Joe's Wohnung gefahren sind. Er wohnt in einer
netten Gegend und die Wohnung ist toll. Bei einem weiteren Bier
und ein bisschen TV haben wir den Tag ausklingen lassen.
19. Tag (13. September)
Nachdem ich heute Morgen mit Joe in die Stadt gefahren bin hat
er mir sein Auto netterweise überlassen. Ich bin jedoch zu Fuß
nach Downtown gelaufen und habe den Morgen in der Providance Palace
Mall bei einem Kaffee und einer Zeitung verbracht.
Auf dem Weg zurück zum Auto habe ich noch einen Abstecher zur
berühmten Elite Universität der USA, der "Brown University" gemacht.
Der Campus liegt auf einem der sieben Hügel der Stadt, dem "Campus
Hill". So laufe ich gemütlich durch die weitläufige Anlage mit
ihren alten und ehrwürdigen Gebäuden. Die Studenten selbst sehen
jedoch auch nicht anders aus als bei uns und nur vereinzelt kann
am erkennen das die Studis durch "Papis Hilfe" erheblich mehr
Finanzmittel haben.
Gegen Nachmittag habe ich mich in einen Park in der Nähe von
Joe's Wohnung verzogen, mich auf einer Bank niedergelassen, die
Sonne schien und ich habe einfach Nichts getan. Denis, Jens und
Uwe sind ziemlich müde spät am Abend schließlich angekommen und
nach einen stürmischen "Hallo" und einem Bier saßen wir noch zusammen
und hatten viel zu erzählen.
20. Tag (14. September)
Auf nach Newport! Mit unserem Van, den die Drei gestern am Airport
in Boston abgeholt hatten fahren wir nach Süden zu dem mondänen
Badeort an der Ostküste der USA. Kurz vor Newport überqueren wir
noch die Narragansett Bay über eine große, hoch aufsteigende Brücke
von der man einen kurzen, aber tollen Blick über die Buchten der
Insel hat. Schon auf der Fahrt durch den Ort fällt auf, dass die
Reichen der Reichen hier ihre Wochenendhäuschen haben. Der Hafen
ist hoffnungslos überfüllt mit Segel- und Motorbooten. Wir stellen
irgendwann das Auto ab und machen einen Spaziergang entland des
"Cliff Walks", der an der Easton Bay beginnt. Die Küste mit den
Villen direkt an den Klippen ist sehr schön und der Pfad endet
am anderen Ende der Bellevue Avenue, die wir anschließend wieder
zum Auto zurück laufen. Die Villen hier an der Straße oder auch
vorhin an der Küste sind schon sehr beeindruckend. Die meisten
wurden zwischen 1850 und 1900 erbaut und sind selbstverständlich
auch heute noch in Privatbesitz. Einzelne Prachtbauten können
jedoch besichtigt werden. Wir verzichten aber darauf und fahren
zum Yachthafen um dort was zu essen.
Nach einem guten Essen in einem der dortigen Restaurants entschließen
wir uns noch zu einem Besuch am Strand. Secound Beach war unser
Ziel, welches wir schon nach wenigen Minuten erreichten. Jens
und Uwe stürzen sich gleich ins Wasser, während Denis und ich
uns nicht dazu durchringen können. Nachdem es nun am Abend doch
schon merklich kühler wird fahren wir wieder nach Providance zurück.
Kaum waren wir in Joe's Wohnung, ruft dieser auch schon an und
wir verabreden uns zum Essen in der Stadt. Fire&Ice hieß der Laden
in dem es "All you can eat" gab. Dazu konnte man die Zutaten selbst
zusammenstellen um diese anschließend auf einem offenen Grill
in der Mitte des Restaurants zubereiten zu lassen. Einen kurzen
Schreck gab es, als letztendlich die Rechung ungefähr doppelt
so hoch war wie wir angenommen hatten. Hatten wir irgendetwas
übersehen? Nein, es war nur ein Tippfehler wie sich schnell herausstellte.
Zum Abschluss des Tages waren wir noch bei Dave&Buster, bis wir
uns schließlich auf den Heimweg machten.
21. Tag (15. September)
Es regnet wie aus Eimern als wir heute Morgen wach werden. Die
anderen wollen unbedingt etwas unternehmen und fahren nach Boston
zum Stadtbummel. Ich jedenfalls habe keine Motivation mir bei
diesem Wetter eine weitere amerikanische Großstadt anzuschauen.
So sind Denis, Jens und Uwe heute Morgen nach Boston aufgebrochen,
während ich mir hier einen ganz gemütlichen Tag gemacht habe.
Meine Airline hat mir leider, aber wie erwartet mitgeteilt, dass
ich meinen Rückflug nicht nach New York City verlegen kann und
somit definitiv von Boston aus fliegen muss. Somit werde ich noch
zu überlegen haben was ich kurz vor meinem Rückflug machen werden,
da sich die andern geäußerten einen Tag zuvor nach New York City
fahren zu wollen. Na ja, mal sehen!
Nun werde ich noch einen kleinen Spaziergang in die City machen,
da der Regen nun endlich aufgehört hat und die Sonne wieder zum
Vorschein kommt. Ich muss mich ein bisschen bewegen an so einem
"faulen" Tag. Als Joe und ich nach einem Besuch im Bottle Shop
wieder zu Hause waren standen die anderen schon vor der Tür und
haben auf uns gewartet, da wir die Schlüssel hatten. Anschließend
ging es wieder in die Stadt um eine Stunde in einer Bar totzuschlagen,
bevor wir endlich einen Tisch im Restaurant bekommen hatten. Zum
Abschluss eines klassischen Männerabend waren wir noch in Gullivers
Taverne aus der wir kurz vor Feierabend erst wieder heraus kamen.
22. Tag (16. September)
Eine Reise in die Vergangenheit war heute beim Besuch von "King
Richards Fair" angesagt. Gegen Mittag hatten wir uns in Bewegung
gesetzt, nachdem wir vorher noch in einem Dukin Donat ein Frühstück
eingeworfen hatten. Gleich nach dem Betreten des Geländes mussten
wir uns selbstverständlich erst einmal in die richtige Kleidung
werfen, was wir gleich am Eingang in einem Kostümverleih tun konnten.
Im richtigen Outfit haben wir schließlich verschiedene Aufführungen,
und als Höhepunkt die Ritterspiele des Königs Richard angeschaut.
Das Publikum in jeder Ecke des Platzes hatte natürlich "seinen"
Ritter zu unterstützen und die Gegner entsprechend auszubuhen.
Wie die Reiter anschließend mit den Lanzen und Schwertern umgegangen
sind ist einfach sagenhaft, so dass es richtig Spaß gemacht hatte
zuzuschauen. Letztendlich hat sogar der Ritter, der unser Farben
trug gewonnen und konnte sich die Ehrungen des Königs entgegen
nehmen.
Anschließend waren wir noch Messerwerfen, Bogenschießen und Axtwerfen
gewesen. Jens hat sich auch noch am "Hau den Lukas" versucht,
jedoch die Glocke leider nicht zum Läuten gebracht. Ansonsten
sind wir über das Gelände geschlendert und haben die zum Teil
toll kostümierten Leute bewundert. Nach dem aufregenden und wirklich
gelungenen Ritt in die Vergangenheit war es Zeit am Horseneck
Beach zu entspannen, den Sonnenuntergang zu genießen und uns den
Wind um die Nase wehen zu lassen. Auf der Rückfahrt waren wir
noch kurz am Airport um Joe und mich noch als weitere Fahrer für
den Van eintragen zu lassen, so dass es morgen nach Norden gehen
kann.
23. Tag (17. September)
Nach einem langsamen Start am Morgen fahren wir gegen Mittag
auf dem Interstate 95. Ich sitze heute am Lenker und versuche
unseren "Dampfer" ruhig gleitend durch den dichten Verkehr zu
steuern. Als wir Boston umfahren hatten ging es an die Küste nach
Rockport. Die Straße windet sich durch lichten Laubwald an zahlreichen
Buchten entlang. Leider sind wir etwas zu früh im Jahr unterwegs
um die bunten Farben des Herbstes zu bewundern. Trotzdem ist die
Gegend sehr schön und ziemlich verschlafen, so wie man es sich
eben vorstellt.
In Rockport haben wir uns das "berühmte" Paper House angeschaut,
welches nur aus alten Zeitungen als Baustoff in den 20ziger Jahren
gebaut wurde. Selbst die Einrichtungsgegenstände sind aus Papier.
Danach schlenderten wir durch das hübsche Städtchen mit seinen
vielen Kunstgeschäften. Dies zahlreichen Galerien, für die USA
ziemlich außergewöhnlich resultieren daraus, dass sich in den
letzten Jahrzehnten in diesem, eigentlich von den Granit Steinbrüchen
geprägten Städtchen viele Künstler niedergelassen haben.
In Helmut's Strudel Cafe haben wir uns noch auf die Terrasse
gesetzt und einen Kaffee geschlürft bevor wir mit einem Abstecher
zum Pier wieder zum Auto zurück sind. In einer "Candy Factory"
haben Joe und ich uns noch einzelne Pralinen gegönnt, ehe es wieder
auf die Straße ging. Manchester in Massachusetts sollte unser
heutiges Ziel sein, da wir eigentlich noch angedacht hatten auf
eine Shooting Range zu gehen. Jedoch ist es schon ziemlich spät
und am Telefon der Range ist nur der Anrufbeantworter zu hören.
Somit suchen wir uns erst einmal ein Motel und gehen anschließend
zum Essen. Da Fast Food abgelehnt wird, machen wir uns auf eine
recht hoffnungslose Suche nach einem vernünftigen Restaurant,
welches an einem Sonntag geöffnet hat. Nach einer dreiviertel
Stunde haben wir uns schließlich auf den "Red Arrow Diner" geeinigt,
da das andere zur Auswahl stehende Restaurant sicherlich in die
höchste Preiskategorie einzustufen war. Es ist im Grunde ein toller
Diner, der schon seit 1923 existiert, wie wir einen Zeitungsausschnitt
an der Wand entnehmen. Zu unserem Erstaunen lesen wir noch, dass
dieser Diner zu den Top 10 in den USA zählen soll. Na ja, wie
auch immer. Wir konnten jedenfalls noch etwas essen und den Magen
wieder füllen.
24. Tag (18. September)
Nach dem Frühstück heute morgen fahren wir weiter nach New Hamshire
in die White Mountains hinein. Unseren ersten Stop hatten wir
am Lake Winnipesaukee, da wir spontan Lust bekommen haben baden
zu gehen. Das Wasser war richtig erfrischend und im Hintergrund
hatte man einen ausgezeichneten Blick auf die Gipfel der White
Mountains. Gut erfrischt ging es anschließend weiter. Nichtsahnend
und entspannt wie immer sitze ich auf der Rückbank als wir eine
Kreuzung überqueren und zwei aufeinanderfolgende Bodenwellen mich
mit dem Kopf heftig am Dach anschlagen lassen.
Vom Schock erholt kamen wir in Lincoln an und klapperten die
Highlights der Reihe nach ab. Zuerst haben wir eine kleine Wanderung
durch die "Flume" gemacht, einer kleinen Klamm durch die sich
ein Bach zwängt. Die Klamm war sehr schön und als wir mitten drin
standen konnte man fast den Eindruck gewinnen, als ob jemand mit
einem Messer den Granit an dieser Stelle gewissermaßen zerschnitten
hätte. In grauer Vorzeit bestand das Messer sozusagen aus Lava,
die sich an dieser Stelle durch den Fels geschmolzen und die Feinarbeit
dem Wasser überlassen hat. Der Weg selbst war gut ausgebaut und
nicht anstrengend. Schließlich erreichten wir noch einen Pool
im Bachlauf, der von einer Überdachten Brücke überspannt wird.
Diese sogenannten "Covered Bridge" sind relativ häufig zu sehen
und stellen ein Symbol für die Neu England Staaten dar.
Als wir wieder am Besucherzentrum zurück waren führen wir zum
"Bassin" weiter. Dort hat das Wasser und der mitgeführte Sand
über tausende von Jahren ein fünf Meter tiefes Loch in den Granit
geschliffen. Unser letzter Stop auf dieser Sightseeing Tour war
der "Old Mountain Man". Vom Tal aus gesehen ergeben die Felsen
eines Berges ein verblüffend realistisches Bild eines Kopfes,
eben der des "Old Mountain Man". Da es noch früh am Tag ist fahren
wir weiter in Richtung Mt. Washington auf den wir morgen hinauf
wandern wollen.
North Conway haben wir als Ort zum Übernachten ausgesucht. Hier
gibt es auch jede Menge Factory Outlets in denen wir heute Abend
vielleicht noch einkaufen gehen. Zum Supermarkt sollten wir aber
auf jeden Fall noch um uns mit Vorräten für morgen einzudecken.
Im Old Red Inn & Cottages haben wir eingecheckt und besitzen nun
ein eigenes Häuschen mit Kühlschrank und Mikrowelle. Frühstück
gibt es zudem morgen auch, so dass wir weniger Zeit zum Frühstücken
brauchen, als wenn wir uns erst etwas suchen müssten.
Im Outlet Store haben wir alle noch richtig zugeschlagen und
wenn man die Zahl der Tüten sieht fragt man sich wie das alles
noch in den Van passen soll, der mit unserem Gepäck sowieso schon
verhältnismäßig vollgestopft ist.
25. Tag (19. September)
Früh am Morgen fahren wir auf dem State Highway zum Mt. Washington,
dem höchsten Berg der New England States. Zuvor machen wir jedoch
noch kurz einen Abstecher zum Mt. Washington Hotel, einem sehr
mondänen Palast in dem nach dem Krieg der Welt Währungs-Fond gegründet
wurde. Das schneeweiße Hotel im Vordergrund und der 1.900m hohe
Mt. Washington im Hintergrund ergeben ein imposantes Bild.
Gleich danach zweigt die Straße zur Talstation der Crog Railway
Zahnradbahn ab, die seit 1866 im Sommer den Gipfel täglich und
dampfgetrieben bezwingt. Wir schnüren die Stiefel fest, packen
den Rucksack auf den Rücken und marschieren los. An diesem Berg,
der es für sein schlechtes und wechselhaftes Wetter berühmt ist
sind schon 126 Menschen gestorben. Einheimische haben uns schon
von Schneestürmen im August erzählt und im Reiseführer steht zu
lesen, dass hier die weltweit höchste Windgeschwindigkeit gemessen
wurde. Also alles gute Vorraussetzungen für eine Bergwanderung
heute. Na, wir haben jedenfalls gutes Wetter, es ist leicht bewölkt,
aber wir haben heute eine stabile Wetterlage.
Der steinige Weg führt an einem Wildbach entlang und steigt
leicht an, so dass wir gut voran kommen. An einem kleinen Wasserfall
überqueren wir den Bach und von nun an geht es steil bergan. Die
ersten von uns atmen schon heftig und wir verlangsamen das Tempo
und rasten zwischendurch. Schließlich steigen wir höher als die
Baumgrenze und ein gewaltiger Ausblick nach Westen, Richtung Vermont
tut sich vor uns auf. Neu motiviert streben wir dem Grat an der
westlichen Flanke des Mt. Washington entgegen und erreichen die
Lakes of the Cloud Hütte. Hier werden die ersten Fotos geschossen,
denn wir haben das steilste Stück des Anstiegs in der letzten
anderthalb Stunden hinter uns gebracht. Das Wetter hält und somit
können wir weiter zum Gipfel vorstoßen. Gleich nach der Hütte
passieren wir die Lakes of the Clouds, in deren klaren Wasser
sich der bedeckte Himmel spiegelt. Nur durch aufgeschichteten
Steinhaufen markiert führt der Weg nun über Geröllfelder weiter
zum Gipfel. Der Wind hier oben bläst sehr kräftig und auch frisch.
Je höher wir steigen desto besser wird die Aussicht und die Lakes
of the Cloud Hütte immer kleiner. Schließlich erreichen wir nach
dreieinhalb Stunden geschafft aber glücklich den Gipfel. Uns zu
Füßen breitet sich nun in alle vier Himmelsrichtungen eine nicht
enden wollende Bergwelt aus und wir genießen den Blick in vollen
Zügen.
An der Railway Station fragen wir nach ob wir mit der Bahn wieder
hinunter fahren können. In einer Stunde fährt die letzte Bahn
talwärts und wir können auf jeden Fall mitfahren. Wir müssten
eben stehen wenn der Wagen voll besetzt sein sollte.
So kam es dann auch, Jens und ich mussten die Fahrt über stehen,
aber die Fahrt in einer der steilsten Zahnradbahnen der Welt war
jedoch ein einmaliges Erlebnis. Der ganze Wagon und die Lokomotive
haben von den harten Einschlägen der Zähne in der Stange mächtig
vibriert und geklappert. Zwischendurch mussten wir noch auf ein
Abstellgleis rangieren um einen bergwärts fahrenden Zug passieren
zu lassen. Nach knapp einer Stunde waren wir wieder an der Station
im Tal und schauten sehnsüchtig zum Gipfel empor.
Nach einem kurzen Diskussion über das nächste Fahrziel haben
wir uns entschieden weiter in den Norden nach Maine zu fahren.
Wir vermuten das wir dort vielleicht mehr vom Indian Summer schon
zu sehen ist. Am Straßenrand auf dem Highway nach Bethel hatten
wir dann doch noch unser Indian Summer Erlebnis. Denn dort stand
ein Ahorn, dessen Blätter schon komplett die knallrote Färbung
des Herbstes hatte. Es war nicht irgend ein ins Orange oder Gelb
driftendes Rot, sondern solch eine intensive Farbe wie ich sie
im Herbst noch nicht gesehen habe.
26. Tag (20. September)
Nach einem guten Frühstück verlassen wir das Bed & Breakfast
wieder und fahren über einfache und kleine Landstraßen Richtung
Baxter State Park im Norden von Maine. Die Vermutung das die Farbenpracht
des Herbstes im Norden schon weiter vorangeschritten ist bestätigt
sich leider nicht. Jedoch hat man die diese Landschaft den Vorstellungen
von Neu England wohl am nächsten kommt. In Greenville manchen
wir eine Pause, schauen auf den Mooshead Lake und hoffen das wir
auf dem nächsten Abschnitt der Straße einen Elch sehen werden,
da hier in dieser Gegend die Chance vergleichsweise groß sein
soll.
Kurz nachdem wir Greenville verlassen haben stoppen wir an einem
Kanuverleih. Wir leihen uns Kanus aus und paddeln auf den See
hinaus. Es tut richtig gut sich mal wieder zu bewegen und ausstrecken
zu können, nachdem wir den ganzen Morgen im Auto gesessen haben.
Als wir an der "Sake Island" angekommen sind reißt der Himmel
auf und wir legen uns in die Sonne und genießen die herbstlichen
Strahlen. Auf dem Rückweg sind wir noch am Ufer entlang gepaddelt,
so dass wir einen sehr schönen Nachmittag auf dem Mooshead Lake
verbracht haben.
Als wir in Richtung Baxter State Park weitergefahren sind hat
sich die Straße in eine Schotterpiste verwandelt und wir waren
somit entgültig im Hinterland angekommen. Da es leider schon wieder
dunkel wurde und der Tag sich dem Ende neigte haben wir in Millinocket
übernachtet. Das Motel in dem wir waren muss wohl von der Bauform
und dem Interieur her aus den 80zigern stammen und machte einen
komischen Eindruck. Aber es hatte einen Indoor Pool und einen
Wirlpool in den wir noch reingesprungen sind.
27. Tag (21. September)
Es ist bewölkt und es sieht zugegebenermaßen regnerisch aus,
aber wir fahren trotzdem über die Schotterpiste in den Baxter
State Park. Die Landschaft zeigt sich in ihrer wilden, unberührten
Schönheit. Die Piste wird schon so schmal das wir bei Gegenverkehr
rechts ranfahren müssen um nicht zu streifen. Nach einer Stunde
Fahrt sind wir am Parkplatz angekommen von dem wir aus eine kleine
Wanderung unternehmen wollten. Aber gleich nach dem Aussteigen
mussten wir erst einmal einen Wolkenbruch im Auto abwarten. Als
der Regen dann nachgelassen hatte sind wir aufgebrochen. Der Weg
war natürlich an vielen Stellen vom Wasser aufgeweicht, was die
Ursprünglichkeit hier draußen noch verstärkt hat. Wenig später
ereichten wir das Ufer des Kidney Ponds und hier sieht es genauso
wie in Kanada aus, so dass der See auch leicht irgendein See in
Ontario hätte sein können. Als wir weiter um den Pond herumlaufen
fängt es noch einmal kurz zu regen an, aber als wir wieder zum
Auto zurück kommen klart der Himmel auf und die Sonne blitzt schon
wieder zuwischen den Wolken hindurch.
Am Nachmittag fahren wir auf die andere Seite des Parks, da
Joe und ich noch einen Gipfel erklimmen wollen. Und somit brechen
wir zum South Turner Mountain auf. Der Pfad führt zuerst an einem
kleinen See vorbei und steigt anschließend steil und gradlinig
durch den Wald an. Da es schon verhältnismäßig spät war hatten
wir Glück den Gipfel schon nach ca. 80min zu erreichen. Die letzten
Meter bis zum Gipfel, als wir aus dem Wald heraus kamen waren
richtig abenteuerlich. Zum einen hat der Wind so stark geweht
das man aufpassen musste um nicht umgeworfen zu werden und zum
anderen war der Aufstieg eine kleine Kletterpartie über große
Felsbrocken, die den Gipfel bildeten.
Die Aussicht war absolut genial. Fast hätte man bis nach Kanada
schauen können. Überall um uns herum spiegelten sich die Oberflächen
der Seen in der abendlichen Sonne, als ob sie Diamanten in der
Dunkelheit der endlosen Wälder wären. Direkt gegenüber ist der
mächtige Mt. Katahdin, dessen Gipfel jedoch von einer Wolkenkappe
verdeckt wird. Ich bin jedenfalls richtig happy das wir noch auf
diesen Gipfel hinaufgestiegen sind da dieser Blick einfach klasse
ist.
Der anschließende Abstieg war auch bald geschafft. Als wir wieder
am Parkplatz waren haben die anderen schon auf uns gewartet und
wir sind gleich weiter nach Süden gefahren um schon näher an der
Küste zu sein wenn wir morgen zum Acadia National Park wollen.
28. Tag (22. September)
Gleich nach dem Verlassen des Motels haben wir in Bangor noch
das Haus von Steven King, dem Horrorbuch Autor besucht und von
der Straße aus angeschaut. Auf dem weiteren Weg mussten wir natürlich
zu X-ten Mal auf dieser Reise an einem Pflanzenmarkt anhalten,
so dass Jens mal wieder vergeblich nach seinen Kürbissamen fragen
konnte. Natürlich kam er wieder mit leeren Händen heraus und gibt
die Suche nun wahrscheinlich entgültig auf, so dass wir schließlich
zum Acadia NP weiter fahren konnten.
In Bar Habor haben wir wieder ein nettes Cottages bekommen in
dem wir richtig viel Platz haben. Anschließend sind wir dann in
den ältesten NP an der Ostküste der USA gefahren. Die Loop Road,
die durch den Park führt wurde von Rockefeller gebaut und mit
wunderschönen Brücken aus Granit versehen. Die Straße folgt der
Küstenlinie und führt direkt zu den schönsten Aussichtspunkten.
Damit könnte man letztendlich sogar behaupten das dies der amerikanischste
National Park ist den es gibt, denn zum Fotografieren ist es nicht
notwendig das Auto zu verlassen. Wir tun es aber trotzdem und
laufen ein paar Stufen zum Sandy Beach hinunter um uns dort auf
die faule Haut zu legen. Das Wasser ist leider so kalt das sich
nur Jens tapfer für ein paar Sekunden hinein traut. Die Ausläufer
des arktischen Labrador Stroms lassen eben eine höheren Temperaturen
zu. Auf der Weiterfahrt legen wir noch einen Stop an der Thunder
Cave ein, die heute jedoch überhaut nicht gedonnert hat und dies
wohl auch nur bei kräftigen Sturm tut. Ein einsamer Seehund hält
aber die Touristen trotzdem im Atem. Am Otter Point sehen wir
anschließend Hunderte von wilden Enten.
Der Tag neigt sich wieder einmal seinem Ende und wir beschließen
auf den Cadillac Mountain hinaufzufahren um den Ausblick auf die
zerklüftete Küstenlinie zu genießen. Der Blick von der höchsten
Erhebung des NP beeindruckt ungemein und wir warten deshalb noch
den Sonnenuntergang ab, den wir vom Blue Hill Aussichtspunkt uns
ansehen. Als wir wieder in Bar Habor waren haben wir noch vorzüglich
in einem Restaurant Fisch gegessen und sind später in unser Cottage
zurück.
29. Tag (23. September)
Es ist für mich heute wieder einmal der letzte Urlaubstag. Wir
packen zusammen und fahren heute noch nach Providance zurück.
Kurz nach verlassen von Bar Habor entdecken wir an Straßenrand
ein Paintball Gelände. Wir halten an und bezahlen an der Kasse
unseren Obolus. Dann werden wir mit Overalls und Masken, sowie
unserem Gewehr ausgestattet. Nach einer Belehrung über die Spielregeln
dürfen wir das Gelände betreten und aufeinander schießen. Keiner
von uns hätte angenommen das es derartig anstrengend ist und vor
allem das wir von Kindern der Reihe nach alle "erschossen" wurden.
Geschlagen und ausgepumpt fuhren wir die Küste weiter bis nach
York wo wir uns in der "Lobbster Barn" wieder mit Seafood stärkten.
Die restliche Fahrt hat zwar noch recht lang gedauert aber wir
waren doch rechzeitig in Providance zurück um an unseren letzten
gemeinsamen Abend noch bei Dave&Buster vorbeizuschauen und den
Abend wieder in Gullivers Taverne ausklingen zu lassen.
30. Tag (24. September)
Nach einem gemütlichen Morgen haben sich Denis, Jens und Uwe
nach New York City verabschiedet. Ich habe noch ein wenig mehr
Zeit und packe deshalb erst zusammen als die Drei schon weg waren.
Für mich wird es aber nun auch Zeit. Joe fährt mich noch zum Bus
mit dem ich nach Bosten fahre. Dort hätte ich eigentlich in den
Airport Bus umsteigen müssen. Jedoch war das falsche Gate im Terminal
angeschrieben und so wartete ich vergeblich. Der nächste Bus wird
erst in zwei Stunden fahren. Nachdem ich dann der Bonanza Bus
Mitarbeiterin erklärt hatte das der Fehler nicht auf meiner Seite
lag hat sie mir noch eine Mitfahrgelegenheit bei einer anderen
Bus Company organisiert, so dass ich doch noch rechzeitig am Airport
angekommen bin. Am Airport selbst herrschte anschließend das gleiche
Chaos wie in der ganzen Stadt. Alles wird aufgerissen und umgebaut.
Ich bin froh das ich mich hier nicht auch noch länger aufhalten
muss.
31. Tag (25. September)
Nach einen guten Flug während dessen ich sogar kurz schlafen
konnte werde ich am Flughafen überraschenderweise abgeholt und
ich freue mich darüber. Somit bin ich wieder im Alltag zurück
und kann es noch gar nicht glauben.
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