48. Tag (23. Okt.)
Mal wieder länger zu schlafen ist so angenehm, daß ich dann erst
heute mittag gemütlich die Straßenmusiker, Artisten, Karikaturisten,
etc. etc. im French Quarter angeschaut habe. Die Bars, Cafés und
diversen anderen Shops in der Bourbon Street habe ich ja gestern
Abend schon gesehen und besucht, als viel, viel mehr los war. Ansonsten
sinniere ich gerade über die vergangene und vor allem über die zukünftige
Reiseroute, und an welchem Zeitpunkt ich ungefähr wieder in New
York sein kann.
49. Tag (24. Okt.)
Nach weiteren 620 Meilen on the road again habe ich den Atlantischen
Ocean wieder erreicht und bin nun im Hostel in St. Augustine eingecheckt.
Das Beste daran ist, das dieses Hostel von einem jungen Deutschen
geführt wird und das Städtchen unheimlich gemütlich ist, was ich
so im Durchfahren sehen konnte. Vielleicht werde ich auf der Rückfahrt
noch mal Station hier machen, vielleicht sogar für ein paar Tage,
na mal sehen.
50. Tag (25. Okt.)
Heute ging es in den Weltraum! Na ja, nicht ganz. Ich habe mir
das John F. Kennedy Space Center am Cap Canaveral angeschaut.
Echt ein Erlebnis, wenn man sich vorstellt, daß von hier aus die
Menschheit zum Mond aufgebrochen ist und man sich den gigantischen
Aufwand an Menschen und Material sich ansieht. Das Gelände umfaßt
650 Km2, zwei noch betriebene Startrampen und sicher noch ein
Dutzend stillgelegte. Aber erst wenn man neben dieser gigantischen
111 m langen Saturn V Rakete steht kann man sich vorstellen, welche
gigantischen Schubkräfte notwendig sind um die Gravitation zu
überwinden.
In 2 fast einstündigen IMAX Filmen wurde dann einem die Arbeit
im All, der Nutzen der Raumfahrt und mögliche zukünftige Pläne
gezeigt. Das Gute daran war, daß ich auf der Bustour zu den Startrampen
eine Reisegruppe aus Oldenburg kennengelernt habe und die noch
ganz "zufällig" eine Eintrittskarte zu einem der Filme übrig hatten,
so daß ich wenigstens einen der Filme nicht bezahlen mußten. Ansonsten
gab es viele Informationen darunter auch eine höchst interessante.
Am 03. Nov. startet das Space Shuttle Atlantis von Startrampe
B. Vielleicht kann ich sogar noch einen Raketenstart miterleben,
wenn ich auf dem Rückweg bin. Aber so sicher ist das dann auch
wieder nicht, denn ein Shuttle Start ist auch sehr schnell verschoben.
Aber so etwas zu sehen wäre natürlich echt klasse! Wie würde Franz
immer sagen: "Schau'n mir mal!"
Nachdem es dann noch einen Waldbrand vor der riesigen Montagehalle
des Space Shuttle gab, mußte ich hier in Cocoa Beach wieder in
ein teures Motel einchecken, weil es vom Meilenlimit her zu weit
gewesen wäre nach St. Augustine zurückzufahren. Morgen fahre ich
dann noch ganz gemütlich die letzten 200 Meilen nach Miami und
gebe das Auto Übermorgen wieder ab. Dann ist diese gigantische,
5.000 Km lange, transkontinentale Wahnsinnsfahrt auch schon Vergangenheit.
51. Tag (26. Okt.)
Ich habe den Fluchtpunkt Miami also heute, nach einer gar nicht
so gemütlichen 280 Meilen Fahrt, erreicht. Es war nämlich tierisch
heiß im Auto und der Interstate 95 ist genauso verwirrend und mit
genauso vielen Baustellen gepflastert, wie die berühmten Staustrecken
in Los Angeles. Als ich dann wieder in einem Hostel eingecheckt
bin, bin ich danach zum Strand gelaufen, und habe somit den ganzen
Kontinent durchquert in effektiv 4 1/2 Tagen reiner Fahrzeit.
52. Tag (27. Okt.)
Nach 2.952,6 Meilen habe ich heute morgen das Auto bei seinem
Besitzer abgegeben und war eigentlich recht froh, als ich es wieder
los war. Man hat doch eine gewisse Verantwortung. Schließlich
würde man nur Probleme bekommen, wenn z.B. das Auto beschädigt
wird, man einen Unfall hat, es kaputt geht oder im schlimmsten
Fall gestohlen wird, was hier durchaus nicht unrealistisch wäre.
Aber zum Glück hat alles ohne Probleme geklappt und ich war froh
meine 300.-- Dollar Kaution wieder zu sehen. Als ich dann zu Kevins
Adresse gefahren bin wurde meine Vermutung bestätigt und mir war
nicht ganz wohl, denn er war ein Schwarzer, der dann natürlich
auch in einem Schwarzenviertel wohnte. O.k. es war kein Slum,
aber man hat schon zuviel über erschossene Touristen in Miami
gehört. Aber im nachhinein gesehen war es echt locker und der
Typ war auch ganz nett.
Da dieser Tag jetzt eh schon verloren ist und das Wetter zwar
warm, was auch sonst, aber nicht gerade sonnig ist bin ich gleich
zum Airport und habe mein Ticket umgebucht. So daß ich jetzt schon
am 17. Nov. und nicht erst am 29. Nov. zurückfliege. Danach konnte
ich dann noch den Brief mit meinen 95,-- Dollar nach Arizona aufgeben
und nach dem Greyhound auf die Keys erkundigen. Somit war dieser
Tag organisatorisch gesehen mal wieder echt produktiv. Nebenbei
konnte ich einer Deutschen am Flughafen mit meiner Telefonkarte
aus der Patsche helfen. Sie war schon fast den Tränen nahe, weil
sie mit dem Telefonieren hier auch nicht zurecht kam. Jetzt werde
ich dann ins Hostel zurückfahren und meine Klamotten mal wieder
waschen und morgen dann auf die Keys hinausfahren, um dann die
letzte Etappe in Angriff zu nehmen.
Jetzt wird es glaube ich doch noch spaßig! Gerade habe ich das
Hostel in Key West angerufen und die haben mir dann mitgeteilt,
daß sie ausgebucht sind, so daß ich morgen, wenn ich dort ankomme
erst einm nach etwas anderem suchen muß. Das ist dann der Spaß,
den ich meinte. Aber ich denke es muß dort noch ein anderes Hostel
geben, daß von einem Deutschen geführt wird, so daß ich morgen
wahrscheinlich vor Ort mehr erreichen werde, als von hier aus.
53. Tag (28. Okt.)
O.k., heute habe ich mal wieder meine Pläne geändert, nachdem ich
mir die ganze Sache noch mal durch den Kopf gehen ließ. Ich kam
dann zu dem Ergebnis, daß ich eigentlich nur an dem Oversea Highway
und an dem Städtchen interessiert bin, weil ich die besseren Strände
sicher schon auf Hawaii gesehen habe. So daß es wahrscheinlich ausreicht
ein oder zwei Tage nach diesem blöden Helloween Festival in Key
West zu verbringen. So werde ich es mir hier noch gemütlich machen
und noch ein bißchen auf der faulen Haut liegen. Aus welchem Grund
sollte ich mir jetzt auch noch Streß machen, nachdem ich ja sowieso
fast schon alles gesehen habe was ich sehen wollte. Und so war ich
heute auch nur am Strand und habe mir dort das bunte Treiben angesehen.
54. Tag (29. Okt.)
Nachdem ich gestern also mal wieder am Strand war wollte ich mir
heute dann 'Little Havanna', das kubanische Viertel hier in Miami
ansehen. Was ich auch getan habe. Das war dann wohl aber auch der
erste Flop hier in Amerika. Es war nämlich überhaupt ganz anders,
als ich mir das so vorgestellt habe. Es sah aus wie überall hier
und hatte kaum einen kubanischen Flair. Ich bin danach noch durch
Miami Downtown mit den ganzen Geschäften geschlendert und dann wieder
zurück ins Hostel gegangen. Dort konnte ich dann noch das Hostel
in Key West für zwei Nächte reservieren, so daß ich dann übermorgen
doch noch dorthin komme. Ohne großen Streß!
55. Tag (30. Okt.)
Es ist komisch, als ich am Strand lag ist es mir richtig aufgefallen.
Ich liege hier an einem Traumstrand für viele Europäer, die Sonne
scheint, es ist viel los, die Wellen rauschen heran und der Strand
ist meilenlang, aber meine Gedanken hängen immer noch an Oahu. Und
ich überlege mir ewig lange, wie es sein würde oder was ich dort
im nächsten Urlaub machen würde. Ich glaube alle Strände, die ich
jetzt in Zukunft besuchen werde müssen sich in meinen Gedanken mit
denen Oahu's messen und werden sie nie erreichen.
56. Tag (31. Okt.)
Ich hasse es! Da ich bei dieser Infonummer, unter der man die
Abfahrtszeiten nachfragen kann nie durchgekommen bin, bin ich
heute morgen auf gut Glück zur Greyhoundstation gefahren und kam
natürlich prompt eine Viertelstunde zu spät, so daß ich dann mal
wieder 4 Stunden auf den nächsten Bus warten mußte. Aber zum Glück
fahre ich nur noch 4 Mal mit dieser Company und werde dies dann
auch noch überleben. In solchen Situationen schweifen dann die
Gedanken schnell nach Deutschland ab. Das stelle ich in letzter
Zeit häufiger fest. Nicht das ich Heimweh hätte, aber man hat
halt so seine Gedanken. Was meiner Meinung nach auch verständlich
sein dürfte. Schließlich bin ich jetzt auch schon 8 Wochen unterwegs.
Es gibt doch noch Lichtblicke bei dieser Company. Der Bus nach
Key West ist anders als alle anderen mit denen ich bis jetzt gefahren
bin. Die Sitze sind breiter und man hat mehr Fußraum. Es ist richtig
angenehm und könnte ruhig immer so sein.
Der Oversea Highway hier raus nach Key West ist echt beeindruckend.
Es sind über 40 Brücken, die längste davon 7 Meilen.
57. Tag (01. Nov.)
Ja was soll ich heute nun schon wieder schreiben. Heute morgen habe
ich das Hemingway House besichtigt und ich würde sagen, daß ich
dieses Haus auch gekauft hätte an seiner Stelle damals. Es ist absolut
mein Stil. Danach war ich noch am Strand hinter dem Fort Taylor.
Ein wirklich süßer Strand, wenn er nicht geschottert wäre. Aber
was soll's die Biere in der Duval Street haben es wieder ausgeglichen.
58. Tag (02. Nov.)
Nun ich war heute noch mal kurz am Strand und bin danach, auf der
Suche nach einem Burger durch das Städtchen geschlendert. Um 17.00
Uhr fährt mein Bus nach Titusville. Ich hoffe bloß, daß der Start
der Atlantis nicht verschoben wird. Wenn doch, werde ich gleich
und nicht erst am Abend nach St. Augustine weiterfahren, um dann
dort noch die letzten Tage Sommer zu genießen. Das Hostel hier in
Key West war ganz 'nett'. Zwar war das Zimmer für 6 Leute meiner
Meinung nach viel zu klein und ein Gebäude wurde gerade von Termiten
gereinigt, aber darüber kann man ja hinwegsehen. Schließlich war
ich schon in Schlimmeren.
59. Tag (3. Nov.)
11.56 Uhr Ortszeit hob es ab. Das Atlantis Space Shuttle vom Kennedy
Space Center. Und ich habe es gesehen! Es war ein Bilderbuchstart,
wie man so schön sagt. Man hatte das ganze Szenario im Blickfeld,
von den letzten Countdown Minuten über das Radio bis zum Verschwinden
des Shuttles im All, und nicht nur wie im TV einen Ausschnitt von
70 Sekunden Länge. Es war sogar möglich etwas von diesem gigantischen
Lärm hören, obwohl die Startrampe schätzungsweise 8 bis 10 Km entfernt
ist. Verblüffend ist auch, daß man das Shuttle schon nach ca. 8
Minuten nicht mehr sah, weil es zu diesem Zeitpunkt schon so hoch
war, daß es sich außerhalb der Atmosphäre befand. Der ganze Start
vermittelte einem aber die ganze Zeit den Eindruck, daß es irgendwie
ziemlich langsam vor sich ging. Dies ist ein absoluter Widerspruch,
aber es ist einfach so. Es ist schon toll so etwas in der Realität
miterleben zu dürfen, vor allem weil hier viel Atmosphäre zu spüren
war. Um uns herum standen zum Schluß so ca. 300 Leute und applaudierten
nach dem gelungenen Start. In diesem Moment konnte man sich dann
auch vorstellen, wie es damals bei Apollo 11 gewesen sein muß, als
die ersten Menschen zum Mond flogen.
60. Tag (04. Nov.)
Nachdem ich hier gestern abend in St. Augustine angekommen bin,
habe ich heute erst einmal eine Dusche genommen, mich rasiert, meine
Klamotten gewaschen und nach einem Friseur gefragt. Mit Roman dem
deutschen Manager des Hostels hier komme ich ganz gut aus. Er hat
mich mit dem Auto zum Strand mitgenommen und wir hatten echt viel
Spaß. Die Wellen waren mit 1 bis 1 1/2 m recht ansprechend. Aber
wir mußten doch feststellen, daß es auch schon Winter wird in Nordflorida.
Man kann nur noch 3 bis 4 Stunden am Tag an den Strand und sollte
sich doch schon abends ab 23.00 Uhr einen Pullover anziehen, wenn
man draußen sitzt. Gestern abend hat mir Roman noch erklärt, wie
man hier einen Führerschein machen kann. Na mal sehen vielleicht
am Montag. Ein Führerschein wäre natürlich das absolute Souvenir.
61. Tag (05. Nov.)
Es wird immer mehr zum Faulenzer Urlaub. Roman und ich waren heute
mal wieder am Strand und ansonsten habe ich nicht viel getan. Außer
im Supermarkt ein bißchen eingekauft und mit den Leuten hier im
Hostel geklönt. Na ja, die meiste Zeit hat dieser Ami aus San Diego
gelabert. Er konnte dich glatt an die Wand reden, ohne daß du auch
nur ein Wort verstanden hast.
62. Tag (06. Nov.)
Ich habe immer mehr das Gefühl, daß ich im Grunde eigentlich nur
noch auf meinen Abreisetag warte. Als ich mich heute doch aufraffen
konnte etwas anzusehen, da hatte ich nach 1 1/2 Stunden schon genug
und bin wieder ins Hostel zurück gegangen, um dann den restlichen
Tag zu faulenzen. Aber hier war es dann auch noch ganz interessant.
Roman hatte heute schon ganz schön Trappel mit dem Typ aus San Diego.
Er wollte ihn heute hinausbefördern, weil er heute nacht alle Leute
aufgeweckt und an jeden ein dummes Gespräch über Politik hatte.
So das die Polizei hier war und er ständig von der Immigration geredet
hat. Es war wirklich eine Schau.
63. Tag (07. Nov.)
Nachdem das Drivers Licence Büro heute geschlossen hatte, bleibe
ich jetzt doch noch einen Tag länger hier in Florida. Es ist einfach
wärmer als in New York. Zwar hatten wir heute total bewölkten Himmel,
aber ich bin trotzdem zum Strand. Roman konnte mich heute aber nicht
fahren, wegen diesem blöden Typ aus San Diego. So daß ich mit dem
Fahrrad unterwegs war. Zum Strand und den Strand entlang war es
auch kein Problem. Ich hatte herrlichen Rückenwind, den ich später
auf dem Rückweg fast schon wieder bereute. Der Weg wurde immer länger
und als ich endlich nach 2 Stunden wieder im Hostel war hat Roman
mir gesagt, daß es ungefähr 30 Meilen hin und zurück waren. Man
verschätzt sich halt immer wieder mit den Entfernungen hier.
64. Tag (08. Nov.)
Ich hatte es mir eigentlich schon gedacht! Mit den Führerschein
wurde es nichts. Nicht weil ich Ausländer ohne Visum und Social
I.D. bin, sondern weil es mir einfach zu teuer wurde, da die hier
in Florida noch einen "Alkoholkurs" von mir verlangten, der nochmals
25,-- Dollar gekostet hätte. 45,-- Dollar für ein Souvenir waren
mir dann doch zu viel. So habe ich heute zum letzten Mal die Sonne
am Strand genossen. Denn die Wellen waren heute mit bis zu 2 m
wirklich nicht zu verachten. Schade, daß dies heute mein letzter
Sommertag war. Aber wie sagt man so schön: "Wenn es am schönsten
ist soll man gehen!" Zudem fällt mir immer mehr auf, daß ich mich
jedesmal überwinden muß mein Zeug zusammenzupacken und weiter
zu ziehen, wenn ich irgendwo länger als 3 bis 4 Tage war. Man
lebt sich einfach zu schnell ein, aber vielleicht ist es auch
nur eine gewisse Reisemüdigkeit,die sich bei mir gerade so einstellt.
Gerade warte ich so auf meinen Bus nach Atlanta und habe vorhin,
bevor ich etwas essen ging mein Gepäck in der Greyhoundstation
einlagern wollen für die kurze Zeit. Und was ist jetzt passiert?
Was soll schon passiert sein! Die Greyhoundstation ist geschlossen,
mein Gepäck ist nicht mehr zu sehen und ich kann jetzt nur noch
hoffen, daß der Bus um 22.00 Uhr auch fährt und mein Rucksack
schon auf dem Weg nach Atlanta ist. Aber ich muß schon feststellen,
daß ich jetzt solche Situationen viel gelassener sehe. Es wird
schon alles glatt gehen und mein Rucksack wieder auftauchen. Wenn
nicht sehen wir weiter.
65. Tag (09. Nov.)
Atlanta, die Stadt, die 1996 die Olympischen Spiele bekommen
hat. Oh je, die dürfen hier noch ganz schön klotzen. Denn hier
gib es fast nichts was sehenswert ist. Und zu dem was sehenswert
ist, braucht man, wenn man sich Zeit läßt vielleicht einen halben
Tag.
Heute war ich dann bei Coca Cola, wo auch sonst? Es ist schon
unglaublich, daß ein Produkt weltweit so gut verkauft wird. Ich
denke, es ist glaube ich auch das Einzige. Ja irgendwo müssen
ja die 7.000 Flaschen Coca Cola bleiben, die jede Sekunde auf
der Welt getrunken werden.
Ich sitzt hier in dieser 'berühmten' Untergrund Mall und denke,
daß das hier ganz gut sein könnte, wenn die Leute hier nicht die
Chance verspielt hätten eine echt gute 'Fußgängerzone' zu schaffen.
Denn man sieht hier drin nur Souvenir Läden und keine nützlichen
Geschäfte, welche auch die einheimische Kundschaft anlocken würde.
Wenn ich das heute so sehe wird es sich sicherlich kaum lohnen
zur Olympiade hierher zu reisen. Aber keine Angst die Amis werden
dieses "Nichts" schon großartig verkaufen.
66. Tag (10. Nov.)
Heute war das Wetter wie die Stadt. Es hat fast den ganzen Tag
geregnet. Aber das hat mich nicht gestört. Ich habe mal bei Ted
Turner reingeschaut um mal zu sehen, wie von hier aus die halbe
Welt in ihrem Denken beeinflußt und manipuliert wird. Im CNN Center
mußte ich feststellen, daß dazu eigentlich nicht viel dazugehört.
Ein paar Computer, eine Bluescreen und ein paar hektisch wirkende
Leute und fertig ist CNN.
Zuvor war ich aber an dem einzigen schönen Platz den Atlanta
zu bieten hat, nämlich im Fox Theatre und es war ganz nett anzuschauen.
Martin Luther King Center rundete dann das Programm, welches ich
mir gestern aufgespart habe, ab.
67. Tag (11. Nov.)
Nach der Nachtfahrt von St Augustine nach Atlanta bin ich heute
nach Washington D.C. am Tag unterwegs. Ich wollte einfach meine
letzte große, 13-stündige Greyhoundfahrt noch mal in vollen Zügen
"genießen". Als ich dann hier endlich um 21.00 Uhr ankam hatte ich
keine Lust mehr und bin mit einem Taxi zum Hostel gefahren. Dort
traf ich noch 2 Mädels, die in Chicago Aupair sind und mit denen
bin ich dann noch in eine Kneipe gegangen bin, um den Tag noch auslaufen
zu lassen.
68. Tag (12. Nov.)
Als erstes wollte ich heute Bill besuchen, aber auf den Einlaß
ins Weiße Haus hätte ich 2 Stunden warten müssen, was mir dann
doch zuviel war. Und so mußte Bill dann doch auf meine Bekanntschaft
verzichten. Pech gehabt Bill! Danach bin ich dann die Mall zum
Capitol hinunter gelaufen und habe mir auf dem Weg dorthin noch
das Air and Space Museum angeschaut. Das war das erste Museum,
welches echt super war.
Im Moment sitze ich gerade in der Union Station, ein absolut
überraschender Bahnhof für amerikanische Verhältnisse. Mit Einkaufspassagen,
Restaurants und einem stilvollen Ambiente. Schöner als viele deutsche
Bahnhöfe. Washington ist eben ganz anders als alle anderen Städte
der USA. Hier spürt man überall die Nähe zur Regierung und zur
Weltpolitik. Washington ist deshalb wohl auch die einzige amerikanische
Stadt, die sich auch für die Welt interessiert und nicht nur für
Amerika.
69. Tag (13. Nov.)
Washington erschlägt einen mit seinen vielen Gedenkstätten. Vor
allem dieser Arlington Friedhof. Es ist im Grunde kein Friedhof,
sondern eine Heroisierung von Opfern, die ihr Leben für "Frieden
und Freiheit" gegeben haben.
70. Tag (14. Nov.)
Nun sitze ich schon wieder vor einem Eingang und warte auf eine
Führung. Diesmal durch das FBI Gebäude. Ich bin extra noch mal
einen Tag länger in Washington geblieben, weil viele gesagt haben,
daß es sehenswert ist.
Gestern abend war ich mit Adam einem Schotten, der in Deutschland
studiert mal wieder im Planet Hollywood und hinterher sind wir
dann noch ins Kino gegangen. Forrest Gump mit Tom Hanks war ein
netter Film und das verblüffendste daran war, daß ich den Film
auch noch verstanden habe.
Apropo Film! So langsam glaube ich nicht mehr, daß meine Bilder
noch was werden, denn sooft wie meine Kamera und die Filme durchleuchtet
wurden kann es eigentlich gar nicht sein. Heute schon wieder 2
mal. Einmal beim FBI und das zweite mal im Pentagon. Die Führung
durch das FBI war richtig spektakulär. Es gab über 5.000 beschlagnahmte
Waffen zu sehen, darunter ganze Maschinengewehre und der Karabiner
von Lee Harvey Oswalt. Außerdem gab es noch beschlagnahmten Schmuck
und sonstige Wertgegenstände zu sehen. Aber der Höhepunkt war
natürlich die Vorführung des FBI Agenten, der mit seinen Revolver
und seiner Maschinenpistole in eine Pappfigur feuerte.
Ganz so spektakulär ging es im Pentagon natürlich nicht zu, aber
das größte Bürogebäude der Welt beeindruckte allein durch seine
Größe schon enorm. So viele verschiedene Militärs wie hier an
einem Ort sind, wird man wohl sonst nirgends auf der Welt mehr
zu sehen bekommen. Ich sah sogar einen 4 Sterne General des Generalstabs.
Er ist einfach so an mir vorbeilaufen. Einfach unglaublich!
71. Tag (15. Nov.)
Nun sitze ich im Bus zu meiner letzten Fahrt von Washington D.C.
nach New York City. Dann bin ich wieder da angekommen, von wo
aus ich gestartet bin. Heute fahre ich schon wesentlich gelassener
nach New York, als an dem Tag an dem ich nach New York geflogen
bin. Ja so ändern sich die Zeiten und so schnell ist nun dieser
riesengroße Urlaub auch vorbei gegangen. Schade!
Jetzt bin ich wieder in New York, und da ich schon einige andere
amerikanische Städte gesehen habe, wird es mir klar, warum New
York als die hektischste Stadt der Welt bezeichnet wird. Hier
kann man nicht einfach gelassen auf der Straße schlendern, man
wird automatisch von dieser sich ständig in Bewegung befindlichen
Masse von Menschen angesteckt. Nun ist es auch kein Wunder mehr,
daß ich am Anfang hier völlig rotiert habe. Selbst jetzt fällt
mir manchmal auf, daß ich mir so Fragen stelle wie: "Wo bin ich
eigentlich?, Was will ich eigentlich?, Wo will ich eigentlich
hin?" Im nachhinein gesehen war es eigentlich total verrückt als
erstes gleich nach New York zu fliegen. Da gibt es sicherlich
ruhigere Ausgangsorte.
Aber was soll's, so genieße ich die letzten 1 1/2 Tage Shopping
hier noch, und fliege dann zurück nach Deutschland.
72. Tag (16. Nov.)
So das war also mein letzter voller Tag in Amerika. Ich war heute
den ganzen Tag einkaufen, und es ist schon wahnsinnig, was man hier
alles Einkaufen kann. Kein Wunder, daß die 'Großen' dieser Welt
hierher zum Einkaufen kommen. Der Flair dieser Luxuskaufhäuser an
der Fifth Avenue ist unbeschreiblich. Wenn Pullover zwischen 350,--
und 470,-- Dollar kosten, dann ist dort auch entsprechendes Publikum.
Von Tiffany brauche ich erst gar nicht zu reden. Ich habe es auch
erst gerade gemerkt, als ich den Rucksack gepackt und die Kreditkartenzettel
zusammengerechnet habe, wie schnell man hier dem Kaufrausch verfällt.
Aber es war toll, vor allem, wenn man die ganzen Leute sieht und
schon die erste Weihnachtsstimmung aufkommt, dann kann man es so
richtig genießen.
73. Tag (17. Nov.)
So jetzt warte ich nur noch auf das Bording und dann bye bye
USA.
Auf jeden Fall freue ich mich jetzt wieder auf zu Hause. Nicht
mehr die ganze Zeit englisch reden, nicht mehr nach einem Hostel
suchen, nicht mehr auf der Suche nach irgendwelchen Busverbindungen,
Sehenswürdigkeiten oder Sonstigen zu sein. Endlich mal wieder
richtiges Essen, mal wieder Freunde treffen, richtiges Bier trinken
und mal wieder all die gewöhnlichen Dinge tun, die man erst vermißt,
wenn man mal längere Zeit nicht zu Hause ist. Auf der anderen
Seite werde ich aber auch einiges aus der USA vermissen. 24 Stunden
geöffnete Läden und dieses unbeschreibliche Easy Living. Zum Reisen
absolut genial!
Und zum Schluß muß ich jetzt doch noch sagen, daß es das Beste
war alleine unterwegs gewesen zu sein und ich bin auch fest davon
überzeugt, daß ich das Beste daraus gemacht habe und es super
angetroffen habe, Greyhound war schon ein ziemliches Abenteuer,
auf eine gewisse Art auch spaßig, und man muß es ein Mal in seinem
Leben gemacht haben. Go easy, go simple, go Greyhound!
Es war eine lange Zeit und eine schöne Zeit! Der Anfang meiner
Reise liegt schon so weit zurück, daß ich erst einmal meine Bilder
anschauen muß, um zu glauben, daß ich dort war. Die zurückliegend
Zeit erscheint mir gerade so irreal. - Es war am Schluß eigentlich
gar keine Reise mehr. Es war das Leben von, einer Stadt in die
Nächste zu ziehen!
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