9. Tag (17. Juli)
Heute ist ein ruhiger Tag. Wir stehen später auf als sonst, ich
genieße es eine Dusche mit im Zimmer zu haben und gehe anschließend
zu Frühstück. Bevor es heute wieder los geht holen wir noch unseren
Club Waggon ab. Die Ölpumpe ist wieder repariert und wir haben
somit unser cooles Gefährt wieder zurück. Im selben Städtchen
besuchen wir gleich anschließend eine Strickwarenfabrik und können
hautnah miterleben wie die bekannten Islandpullover hergestellt
werden. Eine ganz interessante Sache wobei ich mich in dem kleinen
Laden auch gleich in einen Pullover verguckt habe, den ich flugs
auch mitnahm.
Das eigentliche Ziel unseres Tages war die Halbinsel Vatnsnes.
Zuerst kommen wir an einem Stockfischgerüst vorbei, auf dem der
hier in Island so berühmte Trockenfisch entsteht und besichtigen
anschließend eine Robbenkolonie. Weiter an der Nordspitze stoppen
wir am Hvitserkur, einem Basaltbogen der nur wenige Meter vom
Ufer entfernt einfach so im Meer steht. Dort nehmen wir auch unser
mittägliches Picknick und machen einen kurzen Strandspaziergang
an einem schwarzen Lavastrand. Schon allein die Farbe des Sandes
macht die ganze Szene irgendwie unwirklich. Auf der anderen Seite
der Bucht sind als weiße Punkte Robben auf dem schwarzen Strand
zu erkennen. Über uns kreisen angriffslustige Seeschwalben, die
von Zeit zu Zeit auf uns Scheinangriffe fliegen. Mittlerweile
erschreckt uns dies jedoch nicht mehr.
Auf dem Rückweg machen wir noch an einer Festungsanlage der Wikinger
halt. Von der in einem alten Basaltring gebaute Anlage sind jedoch
nur noch einige Grundmauern zu erkennen. Der umwerfende Weitblick
in die Gegend ist umso beeindruckender. Der Wind pfeift jedoch
ziemlich heftig hier oben und somit sind wir nicht sehr lange
hier und machen uns zum Aufwärmen nun auf den Weg nach Hvammstangi
ins Freibad und den Hot Pot. Hier lassen wir einen gemütlichen
Tag ausklingen bevor wir wieder auf dem Reiterhof zurück sind.
10. Tag (18. Juli)
Wir verlassen heute auch schon wieder das Hauptquartier und sind
auf dem Weg ins Hochland. Das Wetter ist zum Glück traumhaft schön
und so machen wir uns gut gelaunt und mit viel Vorfreude auf den
Weg. Als wir von der Küstenstraße auf die geschotterte Hochlandstraße
abbiegen halten wir noch an einer Brücke. Auf der Koppel daneben
stehen Isländer, die berühmten Pferde der Insel. Der Bauer ist
gerade dabei Sie auf eine andere Koppel zu treiben, und als das
Gatter aufgeht und sich die ersten Pferde trauen ist die Herde
nicht mehr zu halten und stürmt im Galopp die Straße hinauf. Welch
eine Pracht!
Wir folgen wieder der Piste und erreichen wenig später die Vegetationsgrenze.
Von hier ab gibt es nur noch Steine und vereinzelt Moose die in
dieser unwirtlichen Welt existieren können. Bei wolkenlosem Himmel
und jede Menge aufgewirbelter Pistenstaub, der unaufhaltsam in
unser Auto eindringt erobern wir das Hochland. Zum Mittag erreichen
wir Hveravellir, ein Geothermisches Gebiet in dem es durch das
heiße Wasser auch wieder etwas Grün gibt. Hier verbringen wir
den Nachmittag. Schauen uns die heißen Quellen an und marschieren
ein bisschen durch die Lavafelder dort. Plötzlich zeigt Ole auf
ein Loch im Boden und fordert uns auf hineinzukriechen. Als die
meisten irritiert dreinschauen zwänge ich mich durch das Loch
und betrete eine komfortabel große Lavahöhle. Als schließlich
die ganze Gruppe sich in der Dunkelheit versammelt hat erklärt
Ole in seiner unnachahmbaren Art wie hier über Jahre hinweg Gesetzlose
gehaust haben. In der kalten Jahreszeit haben Sie immer wieder
bei den Bauern in den Tälern Tiere und vieles andere gestohlen
um sich anschließend hierher wieder zurückzuziehen. Wir können
es uns kaum vorstellen hier zu leben, vor allem im Winter. Als
wir wieder an der frischen Luft sind hört man einzelne beruhigt
durchatmen.
Wir schauen uns noch ein wenig mehr um und gehen dann wieder
zum Bus zurück. Die meisten nutzen die Zeit nach dem Picknick
und gehen eine Runde in einem natürlichen Hot Pot baden. Ich habe
keine Lust darauf und lege mich in die Sonne, die heute den ganzen
Tag vom Himmel strahlt. Nachdem die Letzen vom Baden zurück sind
und der Rest sich lange genug in der Sonne relaxt haben fahren
wir weiter auf der Schotterpiste durchs Hochland. Bevor wir entgültig
Richtung Kerlingarfjöll abbiegen fahren wir noch einen Aussichtspunkt
an und haben einen herrlichen Blick auf die schneebedeckten Rhyolithberge,
die wir morgen besteigen wollen. Ich hoffe nur das Wetter bleibt
so gut.
Wir biegen nun ab, die Piste wird noch erheblich schlechter.
Wir durchqueren mehrfach den Wasserlauf der neben der Piste verläuft.
An einer Stelle durchfahren wir einen Zufluss, gleich neben einem
großen Wasserfall des Hauptstroms. Hier denke ich ist Island wohl
am wildesten. Das graue Gletscherwasser stürzt sich in die Tiefe,
deren Grund wir aus dem Auto heraus gar nicht erkennen können.
Ich wäre gern ausgestiegen um mir dies näher anzuschauen. Aber
der Tag heute war bereits lang und so führen wir direkt zu unserer
Unterkunft, einer Berghütte in deren Mattratzenlager wir am Fuße
des Kerlingarjöll heute nächtigen.
Doch vor dem Nachtessen hat Ole noch eine Idee der ich anschließend
auch folge. Ich besteige den Hausberg, den man laut Ole in einem
kleinen Spaziergang in 10min erklimmen kann. Nach einer halben
Stunde stehe ich recht nass geschwitzt auf dem Gipfel und bin
sehr beeindruckt. Die Aussicht ist heute phänomenal. Das gesamte
Hochland ist zu erkennen. Die Sichtweite beträgt sicherlich weit
über hundert Kilometer. Überall auf der Ebene glitzern Wasserläufe
in der "abendlichen" Sonne und am Horizont liegt der gigantische
Langjökull zwischen dem schwarzen Berggipfeln. Auf der anderen
Seite ist der Hofjökull von hier fast in seiner ganzen Größe vorstellbar.
Jedenfalls kann man deutlich erkennen wie diese gigantischen Eismassen
von ihm herunterfliesen und irgendwann zu Wasser werden.
Kurz nach mir sind noch Friedericke, Britta, Jan und Frank oben
angekommen, so dass wir zusammen wieder abgestiegen sind als der
frische Wind sich langsam durch die Kleidung bis auf die Knochen
durchgearbeitet hat.
11. Tag (19. Juli)
Nach einer wirklich scheußlichen Nacht, ich vermute das ich mir
gestern einen kleinen Sonnenstich eingefangen habe ging es nun
heute auf unsere größte Wanderung. Das Wetter ist gut, die Sicht
klar und unser Gepäck für heute gepackt. Wir fahren ein Stück
mit dem Auto nach oben und kämpfen uns anschließend über mächtig
viel Geröll ziemlich steil ansteigend auf den Gipfel. Es ist phantastisch,
wir stehen auf einem der höchsten Gipfeln Islands und genießen
die Aussicht in alle vier Himmelsrichtungen. Von hier oben ist
im Gegensatz zum gestrigen Hausberg auch die Hekla und der größte
Gletscher Europas, der Vatnajökull zu sehen. Wow!! Nachdem wir
die Aussicht ausgiebig genossen haben und auch noch auf einen
Nachbargipfel gestiegen sind machen wir uns wieder an den Abstieg,
der uns sehr leicht gemacht wird. Wir steigen über ein Schneefeld
ab und nach kurzer Zeit fangen alle mit großen Schritten an den
Hang hinunterzurennen, so dass wir in wenigen Minuten die Höhe
verloren haben die wir zuvor mühsam über eine Stunde hinaufgestiegen
sind. Unten angekommen steigen wir noch ein kleines Stück über
Geröll ab und machen anschließend ein Picknick. Wir befinden uns
in einer irgendwie unwirklichen Welt. Es ist kein Grün zu sehen,
an manchen Stellen auf der gegenüberliegenden Seite des Tals dampft
es aus der Erde und kleine, heiße Quellen sind zu sehen. Die Farben
des Gesteins sind braun, weiß, ockerfarben und teilweise rot.
Nach der Rast brechen wir wieder auf und machen uns auf den Rückweg
immer dem talwärts fliesenden Wasser hinterher. Es geht immer
wieder hoch und runter, manchmal sind grüne Flecken aus Algen
und Moosen an den Stellen zu finden an denen warmes Wasser aus
der Erde dringt. Ende des Wegs erfolgte nochmals ein steiler Anstieg
nach dessen Überwindung ich ziemlich kaputt bin. Als nach einer
Rast wieder alle beisammen waren sollten wir den Fahrweg zur Unterkunft
zurückgehen, während Ole das Auto holte. Da ich nur noch Ankommen
wollte sind Renate und ich schon einmal vorgegangen, während der
Rest der Gruppe noch die Aussicht genossen und auf Ole wartete
um ihr Gepäck im Auto abzuladen. Als wir bereits ein gutes Stück
voraus waren und Ole noch nicht zu sehen was kam ein Auto den
Berg hinunter und ich hielt nur so zum Spaß den Daumen raus. Als
die netten Isländer hielten um uns mitzunehmen kamen wir ins Gespräch,
aber Renate kamen Skrupel und so sind wir dann doch nicht mitgefahren.
Jedoch als das Auto hinter der nächsten Kuppe verschwunden war
bereute Renate bereits ihre Entscheidung, da ihre Knie schmerzten.
So beschlossen wir beim Nächsten mitzufahren. Doch es dauerte
noch eine zeitlang bis ein weißer LKW mit Schweizer Kennzeichen
auftauchte den wir bereits weiter oben gesehen haben. Sie halten
auch prompt und da mittlerweile auch Oli zu uns aufgeschlossen
hat fahren wir im Camperaufsatz mit zurück zur Berghütte.
In der Unterkunft kommen wir so sogar noch von Ole an, dem so
was noch nicht passiert ist und er nur den Kopf schüttelt. Aber
es nimmt uns keiner krumm und so geht ein superschöner Tag im
Hochland zu Ende, den niemand von uns so schnell vergessen wird.
12. Tag (20. Juli)
Heute morgen geht es mir wieder besser. Nach dem Frühstück packen
wir wieder einmal unsere Sachen und verlassen das Hochland, es
geht wieder nach Reykjavik zurück. So fahren wir wieder zurück
zur Hauptstraße, biegen links ab und folgen der Straße durchs
Hochland in die Zivilisation. Zuvor machen wir jedoch einen kurzen
Raststopp am Langjökull und genießen den wunderschönen Blick auf
den Gletschersee und den dahinterliegenden Eismasse die sich dort
hinein schieben. Hier entsteht der Fuß Hvita dessen Gull Foss
wir später besuchen.
Nach einer weiteren Fahrt legen wir wiederum auf einem riesigen
Steinmann einen Stein ab, weil wir gesund und munter das Hochland
durchfahren haben. Von nun ab ist wieder Grün am Wegesrand zu
sehen und wir erreichen sogar eine geteerte Straße als wir die
Touristenattraktion Gull Foss erreichen. Hier machen wir eine
größere Pause um uns den sehr beeindruckenden Wasserfall ausgiebig
anschauen zu können. Das Gletscherwasser des Hvita ergießt sich
über zwei gewaltige Stufen in eine schmale Spalte. Die aufsteigende
Gischt war schon von weitem zu erkennen. Zusammen mit Friedericke
schaue ich mir das Naturschauspiel erst von oben an und gehe dann
näher heran. Die Gischt ist so stark wie ein Regenguss. Wir sind
beide pitschnass und gehen nachdem wir uns kurz dort unten umgesehen
hatten wieder zur Parkplatz zurück.
Ole konnte währenddessen unseren Plattfuss am Hänger nicht reparieren
da der Wagenheber streikte. So blieb uns nichts anderes übrig
als auszuladen und den Hänger solange mit vereinten Kräften anzuheben
bis Ole das Ersatzrad montiert hatte.
Wir verließen den Gull Foss um nur wenige Kilometer weiter den
Strokkur Geysir uns anzuschauen. Hier treffen wir dann auch auf
die Massen an Touristen die während eines Tagesausflugs von Reykjavik
hierher kommen. Aber das stört uns weniger, denn die Ausbrüche
des Strokkur fesselt den Blick und so übersieht man die ganzen
anderen Leute die sich um einen herum drängen.
Nach einer Stunde geht es weiter, zur Erholung steuern wir einen
kleinen See zum Picknicken an. Direkt am Ufer befinden sich heiße
Quellen. Der Clou hier ist eine natürlich geheizte Sauna die eigentlich
nur aus einer Hütte besteht die über eine natürlich heiße Quelle
gestellt wurde. Somit eine der wenigen Saunen in der Welt sein
dürfte die seit fast achtzig Jahren ohne Unterbrechung betrieben
wurde. Wir genießen es und wundern uns nur kurz darüber das man
an diesem Ort die Warmwasserdusche nicht abstellen kann, weil
der Hahn dazu fehlt!
Nachdem die meisten wieder erfrischt und fit aussahen fuhren
wir zur traditionsreichsten Stelle Islands, ins Pingvillir. Hier
wurde, an der tektonischen Schnittstelle zwischen Amerika und
Europa die älteste Demokratie der Welt praktiziert. Breits vor
fast tausend Jahren beratschlagten die Menschen hier die politischen
Belange der Insel im Nordatlantik. Der Transatlantische Graben
befindet sich genau unter uns und das ganze Gebiet sackt hier
jedes Jahr etwas tiefer, so dass man die Kanten der amerikanischen
Platte auf dieser Seite und die der eurasischen Platte einige
Kilometer weiter gut erkennen kann. Wir spazieren auf dem Gelände
noch einige Zeit umher, schauen uns noch einen Wasserfall an der
von der amerikanischen Platte herunterstürzt und sammeln uns schließlich
am vereinbarten Treffpunkt.
Nach einer weiteren kurzen Fahrt erreichen wir wieder Reykjavik
und schließen somit unser Runde in Island. Wir checken in einem
netten kleinen Hotel im Zentrum ein. Zuerst bezogen alle ihre
Zimmer und machten sich wieder frisch. Ole hat das Auto zurückgebracht
und zu Hause vorbeigeschaut. Anschließend trafen wir uns um die
gemeinsame Tour bei einem wunderbaren Abendessen in einem guten
Restaurant im Zentrum der Hauptstadt zu beschließen.
13. Tag (21. Juli)
Heute haben wir noch ein Tag zur freien Verfügung in der Stadt.
Ich bin zusammen mit Friedericke unterwegs und wir verbringen
einen wunderschönen Tag in der Stadt. Die Sonne lacht vom wolkenlosen
Himmel und wir genießen die unglaublich schöne Aussicht vom Turm
der Hallgrimskirkja, dem Wahrzeichen der Stadt. Von hier aus sehen
wir den Heißwasserspeicher der Stadt. Die Glasskuppel der Perlan
besuchen wir als nächstes und verweilen lange auf der großen Terrasse
und lassen den Blick über die Stadt schweifen. Nach dem Verlassen
der Terrasse sind wir etwas irritiert über den Weihnachtsladen
der sich hier neben den Cafe befindet und in dem man mitten im
Sommer bereits alles für Weihnachten finden kann.
Wieder zurück im Zentrum kehren wir bei einem Italiener ein und
essen eine Pizza zur Stärkung. Anschließend schlendern wir weiter
durch die Stadt, vorbei an hübsch bunten Häusern vor denen die
Leute den Sommer genießen und in Straßencafes das Leben genießen.
Im Park Austurvöllur stoßen wir noch auch eine Open Air Fotoausstellung
mit außergewöhnlichen Landschaftsaufnahmen Islands. Wir betrachten
die Bilder und suchen die Gegenden die wir in den letzten Tagen
auch gesehen haben. Bei einzelnen Bildern werden wir sogar fündig.
Wir nehmen in einen Cafe Platz, beobachten die Menschen auf der
Straße und trinken einen Kaffee. Anschließend besuchen wir das
architektonisch moderne Rathaus und gehen weiter durch das Diplomatenviertel
mit seinen wunderschönen Häusern und Villen. Zu unserer Überraschung
stoßen wir auf einen Friedhof der uns mit seinem hohen Baumbestand
in seinen Bann zieht, weil wir damit hier in Island nicht gerechnet
hätten.
14. Tag (22. Juli)
Noch von den fahrplanmäßigen Bussen fährt uns heute morgen Ole
an den Flughafen, so dass wir vor dem großen Ansturm zu unserem
Rückflug einchecken konnten. Somit trennen sich unsere Wege wieder.
Britta, Clement, Elke und Hainer bleiben noch ein paar Tage hier.
Seit gestern Abend sind bereits Renate und Brigitte weg und der
Rest teilt sich nun auf zwei verschiedene Flüge nach Frankfurt
auf.
Somit ging ein wunderschöner Trip durch den kühlen und hellen
Norden Europas zu Ende, den ich so schnell nicht wieder vergessen
werde.
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