Island '04 - Natur, Sommer, Abenteuer

Das Hochland und die Hauptstadt
 
9. Tag (17. Juli)

Heute ist ein ruhiger Tag. Wir stehen später auf als sonst, ich genieße es eine Dusche mit im Zimmer zu haben und gehe anschließend zu Frühstück. Bevor es heute wieder los geht holen wir noch unseren Club Waggon ab. Die Ölpumpe ist wieder repariert und wir haben somit unser cooles Gefährt wieder zurück. Im selben Städtchen besuchen wir gleich anschließend eine Strickwarenfabrik und können hautnah miterleben wie die bekannten Islandpullover hergestellt werden. Eine ganz interessante Sache wobei ich mich in dem kleinen Laden auch gleich in einen Pullover verguckt habe, den ich flugs auch mitnahm.

Das eigentliche Ziel unseres Tages war die Halbinsel Vatnsnes. Zuerst kommen wir an einem Stockfischgerüst vorbei, auf dem der hier in Island so berühmte Trockenfisch entsteht und besichtigen anschließend eine Robbenkolonie. Weiter an der Nordspitze stoppen wir am Hvitserkur, einem Basaltbogen der nur wenige Meter vom Ufer entfernt einfach so im Meer steht. Dort nehmen wir auch unser mittägliches Picknick und machen einen kurzen Strandspaziergang an einem schwarzen Lavastrand. Schon allein die Farbe des Sandes macht die ganze Szene irgendwie unwirklich. Auf der anderen Seite der Bucht sind als weiße Punkte Robben auf dem schwarzen Strand zu erkennen. Über uns kreisen angriffslustige Seeschwalben, die von Zeit zu Zeit auf uns Scheinangriffe fliegen. Mittlerweile erschreckt uns dies jedoch nicht mehr.

Auf dem Rückweg machen wir noch an einer Festungsanlage der Wikinger halt. Von der in einem alten Basaltring gebaute Anlage sind jedoch nur noch einige Grundmauern zu erkennen. Der umwerfende Weitblick in die Gegend ist umso beeindruckender. Der Wind pfeift jedoch ziemlich heftig hier oben und somit sind wir nicht sehr lange hier und machen uns zum Aufwärmen nun auf den Weg nach Hvammstangi ins Freibad und den Hot Pot. Hier lassen wir einen gemütlichen Tag ausklingen bevor wir wieder auf dem Reiterhof zurück sind.

10. Tag (18. Juli)

Wir verlassen heute auch schon wieder das Hauptquartier und sind auf dem Weg ins Hochland. Das Wetter ist zum Glück traumhaft schön und so machen wir uns gut gelaunt und mit viel Vorfreude auf den Weg. Als wir von der Küstenstraße auf die geschotterte Hochlandstraße abbiegen halten wir noch an einer Brücke. Auf der Koppel daneben stehen Isländer, die berühmten Pferde der Insel. Der Bauer ist gerade dabei Sie auf eine andere Koppel zu treiben, und als das Gatter aufgeht und sich die ersten Pferde trauen ist die Herde nicht mehr zu halten und stürmt im Galopp die Straße hinauf. Welch eine Pracht!

Wir folgen wieder der Piste und erreichen wenig später die Vegetationsgrenze. Von hier ab gibt es nur noch Steine und vereinzelt Moose die in dieser unwirtlichen Welt existieren können. Bei wolkenlosem Himmel und jede Menge aufgewirbelter Pistenstaub, der unaufhaltsam in unser Auto eindringt erobern wir das Hochland. Zum Mittag erreichen wir Hveravellir, ein Geothermisches Gebiet in dem es durch das heiße Wasser auch wieder etwas Grün gibt. Hier verbringen wir den Nachmittag. Schauen uns die heißen Quellen an und marschieren ein bisschen durch die Lavafelder dort. Plötzlich zeigt Ole auf ein Loch im Boden und fordert uns auf hineinzukriechen. Als die meisten irritiert dreinschauen zwänge ich mich durch das Loch und betrete eine komfortabel große Lavahöhle. Als schließlich die ganze Gruppe sich in der Dunkelheit versammelt hat erklärt Ole in seiner unnachahmbaren Art wie hier über Jahre hinweg Gesetzlose gehaust haben. In der kalten Jahreszeit haben Sie immer wieder bei den Bauern in den Tälern Tiere und vieles andere gestohlen um sich anschließend hierher wieder zurückzuziehen. Wir können es uns kaum vorstellen hier zu leben, vor allem im Winter. Als wir wieder an der frischen Luft sind hört man einzelne beruhigt durchatmen.

Wir schauen uns noch ein wenig mehr um und gehen dann wieder zum Bus zurück. Die meisten nutzen die Zeit nach dem Picknick und gehen eine Runde in einem natürlichen Hot Pot baden. Ich habe keine Lust darauf und lege mich in die Sonne, die heute den ganzen Tag vom Himmel strahlt. Nachdem die Letzen vom Baden zurück sind und der Rest sich lange genug in der Sonne relaxt haben fahren wir weiter auf der Schotterpiste durchs Hochland. Bevor wir entgültig Richtung Kerlingarfjöll abbiegen fahren wir noch einen Aussichtspunkt an und haben einen herrlichen Blick auf die schneebedeckten Rhyolithberge, die wir morgen besteigen wollen. Ich hoffe nur das Wetter bleibt so gut.

Wir biegen nun ab, die Piste wird noch erheblich schlechter. Wir durchqueren mehrfach den Wasserlauf der neben der Piste verläuft. An einer Stelle durchfahren wir einen Zufluss, gleich neben einem großen Wasserfall des Hauptstroms. Hier denke ich ist Island wohl am wildesten. Das graue Gletscherwasser stürzt sich in die Tiefe, deren Grund wir aus dem Auto heraus gar nicht erkennen können. Ich wäre gern ausgestiegen um mir dies näher anzuschauen. Aber der Tag heute war bereits lang und so führen wir direkt zu unserer Unterkunft, einer Berghütte in deren Mattratzenlager wir am Fuße des Kerlingarjöll heute nächtigen.

Doch vor dem Nachtessen hat Ole noch eine Idee der ich anschließend auch folge. Ich besteige den Hausberg, den man laut Ole in einem kleinen Spaziergang in 10min erklimmen kann. Nach einer halben Stunde stehe ich recht nass geschwitzt auf dem Gipfel und bin sehr beeindruckt. Die Aussicht ist heute phänomenal. Das gesamte Hochland ist zu erkennen. Die Sichtweite beträgt sicherlich weit über hundert Kilometer. Überall auf der Ebene glitzern Wasserläufe in der "abendlichen" Sonne und am Horizont liegt der gigantische Langjökull zwischen dem schwarzen Berggipfeln. Auf der anderen Seite ist der Hofjökull von hier fast in seiner ganzen Größe vorstellbar. Jedenfalls kann man deutlich erkennen wie diese gigantischen Eismassen von ihm herunterfliesen und irgendwann zu Wasser werden.

Kurz nach mir sind noch Friedericke, Britta, Jan und Frank oben angekommen, so dass wir zusammen wieder abgestiegen sind als der frische Wind sich langsam durch die Kleidung bis auf die Knochen durchgearbeitet hat.

11. Tag (19. Juli)

Nach einer wirklich scheußlichen Nacht, ich vermute das ich mir gestern einen kleinen Sonnenstich eingefangen habe ging es nun heute auf unsere größte Wanderung. Das Wetter ist gut, die Sicht klar und unser Gepäck für heute gepackt. Wir fahren ein Stück mit dem Auto nach oben und kämpfen uns anschließend über mächtig viel Geröll ziemlich steil ansteigend auf den Gipfel. Es ist phantastisch, wir stehen auf einem der höchsten Gipfeln Islands und genießen die Aussicht in alle vier Himmelsrichtungen. Von hier oben ist im Gegensatz zum gestrigen Hausberg auch die Hekla und der größte Gletscher Europas, der Vatnajökull zu sehen. Wow!! Nachdem wir die Aussicht ausgiebig genossen haben und auch noch auf einen Nachbargipfel gestiegen sind machen wir uns wieder an den Abstieg, der uns sehr leicht gemacht wird. Wir steigen über ein Schneefeld ab und nach kurzer Zeit fangen alle mit großen Schritten an den Hang hinunterzurennen, so dass wir in wenigen Minuten die Höhe verloren haben die wir zuvor mühsam über eine Stunde hinaufgestiegen sind. Unten angekommen steigen wir noch ein kleines Stück über Geröll ab und machen anschließend ein Picknick. Wir befinden uns in einer irgendwie unwirklichen Welt. Es ist kein Grün zu sehen, an manchen Stellen auf der gegenüberliegenden Seite des Tals dampft es aus der Erde und kleine, heiße Quellen sind zu sehen. Die Farben des Gesteins sind braun, weiß, ockerfarben und teilweise rot.

Nach der Rast brechen wir wieder auf und machen uns auf den Rückweg immer dem talwärts fliesenden Wasser hinterher. Es geht immer wieder hoch und runter, manchmal sind grüne Flecken aus Algen und Moosen an den Stellen zu finden an denen warmes Wasser aus der Erde dringt. Ende des Wegs erfolgte nochmals ein steiler Anstieg nach dessen Überwindung ich ziemlich kaputt bin. Als nach einer Rast wieder alle beisammen waren sollten wir den Fahrweg zur Unterkunft zurückgehen, während Ole das Auto holte. Da ich nur noch Ankommen wollte sind Renate und ich schon einmal vorgegangen, während der Rest der Gruppe noch die Aussicht genossen und auf Ole wartete um ihr Gepäck im Auto abzuladen. Als wir bereits ein gutes Stück voraus waren und Ole noch nicht zu sehen was kam ein Auto den Berg hinunter und ich hielt nur so zum Spaß den Daumen raus. Als die netten Isländer hielten um uns mitzunehmen kamen wir ins Gespräch, aber Renate kamen Skrupel und so sind wir dann doch nicht mitgefahren. Jedoch als das Auto hinter der nächsten Kuppe verschwunden war bereute Renate bereits ihre Entscheidung, da ihre Knie schmerzten. So beschlossen wir beim Nächsten mitzufahren. Doch es dauerte noch eine zeitlang bis ein weißer LKW mit Schweizer Kennzeichen auftauchte den wir bereits weiter oben gesehen haben. Sie halten auch prompt und da mittlerweile auch Oli zu uns aufgeschlossen hat fahren wir im Camperaufsatz mit zurück zur Berghütte.

In der Unterkunft kommen wir so sogar noch von Ole an, dem so was noch nicht passiert ist und er nur den Kopf schüttelt. Aber es nimmt uns keiner krumm und so geht ein superschöner Tag im Hochland zu Ende, den niemand von uns so schnell vergessen wird.

12. Tag (20. Juli)

Heute morgen geht es mir wieder besser. Nach dem Frühstück packen wir wieder einmal unsere Sachen und verlassen das Hochland, es geht wieder nach Reykjavik zurück. So fahren wir wieder zurück zur Hauptstraße, biegen links ab und folgen der Straße durchs Hochland in die Zivilisation. Zuvor machen wir jedoch einen kurzen Raststopp am Langjökull und genießen den wunderschönen Blick auf den Gletschersee und den dahinterliegenden Eismasse die sich dort hinein schieben. Hier entsteht der Fuß Hvita dessen Gull Foss wir später besuchen.

Nach einer weiteren Fahrt legen wir wiederum auf einem riesigen Steinmann einen Stein ab, weil wir gesund und munter das Hochland durchfahren haben. Von nun ab ist wieder Grün am Wegesrand zu sehen und wir erreichen sogar eine geteerte Straße als wir die Touristenattraktion Gull Foss erreichen. Hier machen wir eine größere Pause um uns den sehr beeindruckenden Wasserfall ausgiebig anschauen zu können. Das Gletscherwasser des Hvita ergießt sich über zwei gewaltige Stufen in eine schmale Spalte. Die aufsteigende Gischt war schon von weitem zu erkennen. Zusammen mit Friedericke schaue ich mir das Naturschauspiel erst von oben an und gehe dann näher heran. Die Gischt ist so stark wie ein Regenguss. Wir sind beide pitschnass und gehen nachdem wir uns kurz dort unten umgesehen hatten wieder zur Parkplatz zurück.

Ole konnte währenddessen unseren Plattfuss am Hänger nicht reparieren da der Wagenheber streikte. So blieb uns nichts anderes übrig als auszuladen und den Hänger solange mit vereinten Kräften anzuheben bis Ole das Ersatzrad montiert hatte.

Wir verließen den Gull Foss um nur wenige Kilometer weiter den Strokkur Geysir uns anzuschauen. Hier treffen wir dann auch auf die Massen an Touristen die während eines Tagesausflugs von Reykjavik hierher kommen. Aber das stört uns weniger, denn die Ausbrüche des Strokkur fesselt den Blick und so übersieht man die ganzen anderen Leute die sich um einen herum drängen.

Nach einer Stunde geht es weiter, zur Erholung steuern wir einen kleinen See zum Picknicken an. Direkt am Ufer befinden sich heiße Quellen. Der Clou hier ist eine natürlich geheizte Sauna die eigentlich nur aus einer Hütte besteht die über eine natürlich heiße Quelle gestellt wurde. Somit eine der wenigen Saunen in der Welt sein dürfte die seit fast achtzig Jahren ohne Unterbrechung betrieben wurde. Wir genießen es und wundern uns nur kurz darüber das man an diesem Ort die Warmwasserdusche nicht abstellen kann, weil der Hahn dazu fehlt!

Nachdem die meisten wieder erfrischt und fit aussahen fuhren wir zur traditionsreichsten Stelle Islands, ins Pingvillir. Hier wurde, an der tektonischen Schnittstelle zwischen Amerika und Europa die älteste Demokratie der Welt praktiziert. Breits vor fast tausend Jahren beratschlagten die Menschen hier die politischen Belange der Insel im Nordatlantik. Der Transatlantische Graben befindet sich genau unter uns und das ganze Gebiet sackt hier jedes Jahr etwas tiefer, so dass man die Kanten der amerikanischen Platte auf dieser Seite und die der eurasischen Platte einige Kilometer weiter gut erkennen kann. Wir spazieren auf dem Gelände noch einige Zeit umher, schauen uns noch einen Wasserfall an der von der amerikanischen Platte herunterstürzt und sammeln uns schließlich am vereinbarten Treffpunkt.

Nach einer weiteren kurzen Fahrt erreichen wir wieder Reykjavik und schließen somit unser Runde in Island. Wir checken in einem netten kleinen Hotel im Zentrum ein. Zuerst bezogen alle ihre Zimmer und machten sich wieder frisch. Ole hat das Auto zurückgebracht und zu Hause vorbeigeschaut. Anschließend trafen wir uns um die gemeinsame Tour bei einem wunderbaren Abendessen in einem guten Restaurant im Zentrum der Hauptstadt zu beschließen.

13. Tag (21. Juli)

Heute haben wir noch ein Tag zur freien Verfügung in der Stadt. Ich bin zusammen mit Friedericke unterwegs und wir verbringen einen wunderschönen Tag in der Stadt. Die Sonne lacht vom wolkenlosen Himmel und wir genießen die unglaublich schöne Aussicht vom Turm der Hallgrimskirkja, dem Wahrzeichen der Stadt. Von hier aus sehen wir den Heißwasserspeicher der Stadt. Die Glasskuppel der Perlan besuchen wir als nächstes und verweilen lange auf der großen Terrasse und lassen den Blick über die Stadt schweifen. Nach dem Verlassen der Terrasse sind wir etwas irritiert über den Weihnachtsladen der sich hier neben den Cafe befindet und in dem man mitten im Sommer bereits alles für Weihnachten finden kann.

Wieder zurück im Zentrum kehren wir bei einem Italiener ein und essen eine Pizza zur Stärkung. Anschließend schlendern wir weiter durch die Stadt, vorbei an hübsch bunten Häusern vor denen die Leute den Sommer genießen und in Straßencafes das Leben genießen. Im Park Austurvöllur stoßen wir noch auch eine Open Air Fotoausstellung mit außergewöhnlichen Landschaftsaufnahmen Islands. Wir betrachten die Bilder und suchen die Gegenden die wir in den letzten Tagen auch gesehen haben. Bei einzelnen Bildern werden wir sogar fündig. Wir nehmen in einen Cafe Platz, beobachten die Menschen auf der Straße und trinken einen Kaffee. Anschließend besuchen wir das architektonisch moderne Rathaus und gehen weiter durch das Diplomatenviertel mit seinen wunderschönen Häusern und Villen. Zu unserer Überraschung stoßen wir auf einen Friedhof der uns mit seinem hohen Baumbestand in seinen Bann zieht, weil wir damit hier in Island nicht gerechnet hätten.

14. Tag (22. Juli)

Noch von den fahrplanmäßigen Bussen fährt uns heute morgen Ole an den Flughafen, so dass wir vor dem großen Ansturm zu unserem Rückflug einchecken konnten. Somit trennen sich unsere Wege wieder. Britta, Clement, Elke und Hainer bleiben noch ein paar Tage hier. Seit gestern Abend sind bereits Renate und Brigitte weg und der Rest teilt sich nun auf zwei verschiedene Flüge nach Frankfurt auf.

Somit ging ein wunderschöner Trip durch den kühlen und hellen Norden Europas zu Ende, den ich so schnell nicht wieder vergessen werde.

     
  Stockfisch  
 
Früher wurde der Stockfisch auf diese Weise getrocknet
 
     
     
  Blick von der Festung  
 
Ein Blick in die Weite des Landes
 
     
     
  Island Pferde  
 
Eine wahre Pracht, oder?
 
     
     
  Das Hochland  
 
Im Hochland gibt es fast nur Steine und Staub
 
     
     
  Die Kerlingar Berghütte  
 
Unser Basislager für den Gipfelsturm
 
     
     
  Blick vom Hausberg  
 
Im Hintergrund der Langjökull
 
     
     
  Auf dem Gipfel  
 
Ein überwältigender Blick ofenbarte sich vom Gipfel
 
     
     
  Der Rückweg  
 
Eine Farbpallette wie selten gesehen
 
     
     
  Gull Foss  
 
Einer der gößten Wasserfälle Europas
 
     
     
  Der Strokkur  
 
Ein einmaliges Schauspiel
 
     
     
  Nahtstelle der Kontinente  
 
Auf dem transatlantischen Graben
 
     
     
  Die Hallgrimskirkja  
 
Mittlerweile das Wahrzeichen Islands
 
     
     
  In Reykjavik  
 
Auch im hohen Norden so etwas wie mediterraner Flair
 
     

  
  

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