Island '04 - Natur, Sommer, Abenteuer

In den Westfjorden
 
5. Tag (13. Juli)

Heute ist ein Tag den wir etwas mehr im Auto verbringen. Es geht früh los da wir die Fähre von Stykkisholmur nach Brjanslaekur in den Westfjorden erreichen müssen. Kurz vor dem Fähranleger machen wir nochmals eine Pause und schauen uns aus der Entfernung ein farbenprächtiges Vulkangebiet an. In Stykkisholmur angekommen haben wir noch etwas Zeit die jeder anders nutzt. Manche sind in der kleinen Stadt unterwegs, andere gehen auf einen kleinen Hügel zu übergucken. In der kargen Landschaft stellt die Stadt, deren bunte Häuser im Sonnenlicht richtig leuchten einen ungewohnten Anblick dar.

Nachdem wir an Bord der Fähre gehen und noch zwei Autos sowie unser Anhänger mit dem Kran auf den Oberdeck verladen sind legen wir ab. Die Fahrt erstreckt sich über drei Stunden quer durch die Breidafjordur Bucht mit einen kurzen Stopp auf Flatey. Für unsereins ist es irgendwie kaum zu begreifen das auf einen solch kleinen Eiland von ein paar Fußballfelder Größe Menschen leben können.

Als wir auf der anderen Seite angekommen sind verlief das Entladen recht schnell. Gleich nachdem wir wieder losgefahren sind schlief bereits auch die Hälfte der Leute und verpasste deshalb die Überquerung einer Bergkuppe auf dem Weg in die Fjorde. Hier stellt sich die Landschaft ganz anders dar als im übrigen Island, da es sich um den ältesten Teil der Insel handelt und in den letzten 15 Mio. Jahren mehrfach von Gletschern glatt geschliffen wurde.

Ole halt in einer Bucht an dem ein alter, rostiger Fischtrawler auf dem Strand steht. Hier werden wir "ausgesetzt" da Ole noch für die nächsten Tage einkaufen muss. So verbringen wir die Zeit damit das Schiffswrack zu besichtigen, uns zu unterhalten und am Ufer entlang zu laufen. Als Ole wieder auftaucht wissen wir auch warum es so lange gedauert hat. Er hat das Auto kaum noch starten können und wie sich noch herausstellen sollte werden wir uns mit diesem Problem noch öfter auseinander zusetzen haben.

Auf dem Weg zur westlichsten Jugendherberge Europas besichtigen wir noch ein Fischereimuseum in dem allerlei Dinge aus vergangenen Epochen der Seefahrt zu sehen sind. Dabei muss ich mich immer fragen was es für Männer gewesen sein mussten, die mit diesen Ausrüstungsgegenständen den Naturgewalten trotzten um sich und ihren Familien das Überleben zu sichern.

In Breidavik angekommen eröffnet sich eine weitläufige Bucht mit einen herrlichen Sandstrand die an beiden Seiten von steil abfallenden Bergen begrenzt ist. Ein wunderschöner Ort. Nach den Beziehen der Zimmer und dem Ablegen des Gepäcks macht sich mein Zimmerkollege, Jan und ich auf einen Spaziergang an den Strand. Dort angekommen halten wir jedoch nur kurz die Hand ins Wasser und beschränken uns mit dem herrlichen Ausblick.

Nach dem Abendessen erzählt Ole wieder einmal eine seiner vielen Geschichten von Trollen, Elfen und Riesen, die in den Sagas so eng mit dem Land verbunden. Ob diese Geschichten wahr sind oder nicht kann jeder für sich selbst beantworten. Jedenfalls kann Ole von seinen Trollen und Halbriesen gut und witzig erzählen.

6. Tag (14. Juli)

Eine unserer längsten Wanderungen steht heute auf dem Programm. Wir besuchen den größten Vogelfelsen Europas Latrabjarg am westlichsten Zipfel des Kontinents, dazu fahren wir bei gutem Wetter in Richtung Vogelfelsen. Die Straße wir immer schmaler und steiniger, denn wir werden heute nicht wie die meisten Touristen nur den vordersten Teil mit den Papageientauchern anschauen sondern die enorme Steilküste in ihrer ganzen Länge von 14km entlang gehen. So erreichen wir am östlichen Ende, kurz nachdem wir das Auto abgestellt haben einen kleinen Felsvorsprung von dem aus ein Blick auf die über 400m hohe Wand möglich ist. Vögel kreisen über unseren Köpfen und wir sind vom der enormen Anzahl von Vögeln beeindruckt, die überall zu sein scheinen.

Wir wandern entlang der senkrecht abfallenden Küste und haben einen tollen Blick aufs Meer. Beim Anstieg aus einer Senke heraus ziehen jedoch dicke Wolken vom Meer her über die Klippen. Wir haben Nebel und es wird in kurzer Zeit richtig frisch und fängt leicht an zu tropfen. Wir lassen uns jedoch nicht beirren. Kurze Zeit später ist der Schauer durchgezogen und es wird wieder heller. Nach einem Picknick besteht die Chance für denjenigen der will in eine steil abfallende Schlucht abzusteigen und sich somit in mitten der Vögel zu begeben. Etwa die Hälfte der Gruppen nimmt den steilen und auf dem Gras recht rutschigen Abstieg in Angriff. Nach etwa einer halben Stunde befinden wir uns auf halber Höhe in der Wand. Der Ausblick, und die Tatsache sich nun inmitten dieser gigantischen Vogelkolonie zu befinden entschädigt jedoch mehrfach für die Anstrengung.

Als wir nach mehr als einer Stunde Kletterpartie wieder oben waren hat der Himmel aufgerissen und die Sonne schien. Je weiter wir nun entlang der Klippe gehen desto niedriger wird die Wand. Zwischendurch legen wir uns immer wieder an der Kante auf den Bauch und beobachten die Tordalken, Eissturmvögel, Dreifingermöwen, Papageientaucher, Seeschwalben und Trottellummen. Dabei sind die Landeanflüge aufs Nest und das Begrüßungsgeschnatter herrlich anzuschauen. Je näher wir zum Ende des Vogelfelsens kommen desto mehr Papageientauchern sehen wir und sind verblüfft darüber wie nahe man sich diesen Vögeln nähern kann ohne das diese sich stören lassen oder die Flucht ergreifen. Echt unglaublich!

Von der Sonne gebräunt und nach einem super schönen Tag mit viel frischer Luft an dem wir viele herrliche Eindrücke von Millionen Vögeln sammeln konnten fahren wir in die Juhe zurück und lassen den Tag in einer gemütlichen Runde beim Abendessen ausklingen.

7. Tag (15. Juli)

Ebenfalls in dieser Gegend und nicht weit von der Juhe entfernt befindet sich der Rote Strand von dem wir aus zu unseren kleinen Erkundungstour aufbrechen. Wir folgen einem kleinen Pfad zu einem Naturhafen der gleich hinter einem Hof begingt. Hier sollen sich in vorigen Jahrhundert Boote vor den hohen Wellen der See in Sicherheit gebracht und angelandet haben. Die Felsformationen und die Küstenlinie zeigen hier das alltägliche Island wie man es fast überall entdecken kann. Somit eine Entspannung von den bisherigen Highlights.

Auf dem Rückweg fängt es an zu nieseln, wir ziehen unsere Regenjacken an und trotzen dem Wasser von oben. Am Strand stellen wir uns noch zu einem Gruppenbild auf und genießen wie Ole mit jeder einzelnen Kamera ein Bild von uns aufnimmt. Am Auto wieder angekommen hört es auf und wir nehmen noch ein Picknick bevor wir anschließend uns wieder auf den Weg machen. Als wir über die ersten Berge hinweggefahren sind ändert sich das Wetter wieder und wir können die unglaublich karge aber sehr schöne Fjordlandschaft Islands genießen. Als wir nach einer langen Fahrt fast die ganzen Westfjorden durchquert haben kommen wir zum Arnarfjördur und schauen uns dort den Wasserfall Fjallfoss an.

Ole lässt uns aussteigen und parkt das Auto etwas abseits, da er den Motor wegen unserer Startprobleme lieber laufen lässt damit wir nachher sicher noch weiterfahren können. So stehen wir also am Fuße einer großen Basaltstufe und haben den ersten Blick auf den wunderschönen Wasserfall, der in seiner Art wohl ziemlich einmalig sein dürfte. Die Wassermassen sind gar nicht so groß, jedoch fächert sich das Wasser sehr gleichmäßig nach allen Seiten auf. Deshalb sieht es so aus als ob sich ein weißer Vorhang über die Felsen legt. Ein wunderschöner Anblick!

Wir steigen an den unteren kleineren Wasserfällen entlang auf und erreichen nach kurzer Zeit den Fuß des Wasserfalls. Erst hier kann man wirklich die ernorme Höhe des Wasserfalls erkennen, der sich auch zu einer enormen Breite auffächert. Hier verbringen wir einige Zeit und genießen den wunderschönen Blick auf den sich von hier aus öffnenden Fjord. Die restlichen Wolken verziehen sich mit der Zeit und die Sonnen kommt immer mehr heraus. Als wir wieder am Auto zurück waren hatten wir Sonnenschein und konnten die Ansicht noch in ihrer ganzen Farbenpracht bewundern.

Als wir wieder alle im Auto saßen ging es anschließend zu unserer Unterkunft. Es ist heute bereits recht spät als wir dort ankommen. Da es natürlich trotzdem noch hell ist gilt die Parole das wir schnell zu Abend essen um anschließend alle noch ins Freibad zu gehen um uns zu entspannen. Ole hat heute telefonisch organisiert das für uns das Freibad heute Abend um 23.00Uhr noch mal öffnet. So beziehen wir schell unsere Zimmer und essen zu Abend um gleich darauf wieder ins Auto zu springen um zum Freibad zu fahren. Wir haben das ganze Becken und den Hot Pot für uns allein, es ist kurz vor Mitternacht und Ole kommt noch mit einer Überraschung. Er packt eine Flasche "Schwarzen Tod" aus, einem Kümmel Wodka den wir im warmen Wasser gemeinsam genießen. Gegen 1.00Uhr sind wir wieder zurück in unserem heutigen Guesthouse und es ist bereits ein bisschen dämmrig. Aber obwohl wir heute den Schlafsack nicht auspacken müssen, weil wir den Komfort von gemachte Betten genießen können setzen wir uns erst noch zusammen. Ole organisiert in der Küche ein paar Bier, die wir dann morgen bezahlen können. So verbringen wir noch einen lustigen Abend und als die Müdigkeit bei Sonnenaufgang überhand nimmt legen wir uns nach einem ereignisreichen Tag noch für ein paar Stunden auf Ohr.

8. Tag (16. Juli)

Nach einer zu kurzen Schlafphase muntert uns ein gutes Frühstück auf und macht uns fit für den Tag. Wir fahren weiter nach Norden und halten am Fähranleger an, stellen das Auto ab und machen uns auf eine kleine Wanderung, die laut Aussage unseres Guide nur ein bisschen gerade aus und dann bergab führt. Ole konnte die Leute auf seine Art immer wieder dazu bringen mehr zu tun als manch einer in der Gruppe eigentlich wollte oder sich zutraute. Echt klasse!

So erreichen wir das Ende einer Schlucht in der wir Fossilien einer längst untergegangenen Zeit entdecken können. Es erscheint etwas befremdlich hier auf Island versteinerte Blätter und große versteinerte Stücke von richtigen Baumstämmen zu entdecken, obwohl es heute hier so gut wie keine Bäume gibt. Es muss also auf jeden Fall schon mal erheblich wärmer auf Island gewesen sein, was man sich kaum vorstellen kann. An einen kleinen Wasserfall halten wir uns noch eine ganze Zeit lang auf und entspannen bei herrlichem Sonnenschein. Zurück zum Auto geht es mit einem herrlichen Blick aufs Meer nun wirklich bergab.

Anschließend bringen wir die längste Autostrecke auf der ganzen Tour hinter uns. Die Strecke führt durch unbesiedelte Fjorde, immer der Küstenlinie entlang. Irgendwann zwischendurch halten wir an, packen unsere Kiste aus und machen ein Picknick. Dabei ist die Sicht und das Wetter heute so gut das wir den über hundert Kilometer entfernten Snaefelljöckel erkennen können. Schließlich kommen wir an unserem heutigen Ziel dem Reiterhof Brekkulaekur an und haben somit die Westfjorden wieder verlassen. Es ist das Hauptquartier unseres Veranstalters und somit können wir auch unser Auto in die Werkstatt zur Reparatur bringen. Wir steigen provisorisch in einen gewöhnlichen Sprinter um, der auch ganz schnell seinen Spitznamen "Rentnerbus" weg hat. Auf dem Reiterhof fühlen wir uns gleich wohl und es gibt wieder einmal gut zu Essen. Später sitzen wir noch zusammen und unterhalten uns und überlegen uns noch einen Gästebucheintrag. Ich bin richtig glücklich über das bis heute super tolle Wetter hier auf Island. Wie auf Bestellung können wir uns heute Abend auch noch einen tollen Sonnenuntergang anschauen. Die Wolken werden von unten angestrahlt und leuchten so rot als ob sie brennen würden.

     
  Auf in die Westfjorden  
 
Vulkane prägen das Land
 
     
     
  Auf der Fähre  
 
Es geht über die Breidafjordur Bucht in die Westfjorden
 
     
     
  An der Westspitze  
 
Der westlichste Campingplatz Europas
 
     
     
  Der Vogelfelsen  
 
Hier gibt es millionen von Vögeln
 
     
     
  Papageientaucher  
 
Niedliche Tiere
 
     
     
  Der rote Strand  
 
Wunderschöne Strände wenn nur das Wasser nicht so kalt wäre
 
     
     
  Der Fjallfoss  
 
Einer der schönsten Wasserfälle überhaupt
 
     
     
  Mitternacht  
 
Im Sommer wird es niemals dunkel!!
 
     
     
  Im Tal der Fossilien  
 
Es ist kaum vorstellbar das es hier richtigen Wald gegeben hat
 
     
     
  Der Reiterhof  
 
Das Quartier unseres Veranstalters
 
     

  
  

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