5. Tag (13. Juli)
Heute ist ein Tag den wir etwas mehr im Auto verbringen. Es geht
früh los da wir die Fähre von Stykkisholmur nach Brjanslaekur
in den Westfjorden erreichen müssen. Kurz vor dem Fähranleger
machen wir nochmals eine Pause und schauen uns aus der Entfernung
ein farbenprächtiges Vulkangebiet an. In Stykkisholmur angekommen
haben wir noch etwas Zeit die jeder anders nutzt. Manche sind
in der kleinen Stadt unterwegs, andere gehen auf einen kleinen
Hügel zu übergucken. In der kargen Landschaft stellt die Stadt,
deren bunte Häuser im Sonnenlicht richtig leuchten einen ungewohnten
Anblick dar.
Nachdem wir an Bord der Fähre gehen und noch zwei Autos sowie
unser Anhänger mit dem Kran auf den Oberdeck verladen sind legen
wir ab. Die Fahrt erstreckt sich über drei Stunden quer durch
die Breidafjordur Bucht mit einen kurzen Stopp auf Flatey. Für
unsereins ist es irgendwie kaum zu begreifen das auf einen solch
kleinen Eiland von ein paar Fußballfelder Größe Menschen leben
können.
Als wir auf der anderen Seite angekommen sind verlief das Entladen
recht schnell. Gleich nachdem wir wieder losgefahren sind schlief
bereits auch die Hälfte der Leute und verpasste deshalb die Überquerung
einer Bergkuppe auf dem Weg in die Fjorde. Hier stellt sich die
Landschaft ganz anders dar als im übrigen Island, da es sich um
den ältesten Teil der Insel handelt und in den letzten 15 Mio.
Jahren mehrfach von Gletschern glatt geschliffen wurde.
Ole halt in einer Bucht an dem ein alter, rostiger Fischtrawler
auf dem Strand steht. Hier werden wir "ausgesetzt" da Ole noch
für die nächsten Tage einkaufen muss. So verbringen wir die Zeit
damit das Schiffswrack zu besichtigen, uns zu unterhalten und
am Ufer entlang zu laufen. Als Ole wieder auftaucht wissen wir
auch warum es so lange gedauert hat. Er hat das Auto kaum noch
starten können und wie sich noch herausstellen sollte werden wir
uns mit diesem Problem noch öfter auseinander zusetzen haben.
Auf dem Weg zur westlichsten Jugendherberge Europas besichtigen
wir noch ein Fischereimuseum in dem allerlei Dinge aus vergangenen
Epochen der Seefahrt zu sehen sind. Dabei muss ich mich immer
fragen was es für Männer gewesen sein mussten, die mit diesen
Ausrüstungsgegenständen den Naturgewalten trotzten um sich und
ihren Familien das Überleben zu sichern.
In Breidavik angekommen eröffnet sich eine weitläufige Bucht
mit einen herrlichen Sandstrand die an beiden Seiten von steil
abfallenden Bergen begrenzt ist. Ein wunderschöner Ort. Nach den
Beziehen der Zimmer und dem Ablegen des Gepäcks macht sich mein
Zimmerkollege, Jan und ich auf einen Spaziergang an den Strand.
Dort angekommen halten wir jedoch nur kurz die Hand ins Wasser
und beschränken uns mit dem herrlichen Ausblick.
Nach dem Abendessen erzählt Ole wieder einmal eine seiner vielen
Geschichten von Trollen, Elfen und Riesen, die in den Sagas so
eng mit dem Land verbunden. Ob diese Geschichten wahr sind oder
nicht kann jeder für sich selbst beantworten. Jedenfalls kann
Ole von seinen Trollen und Halbriesen gut und witzig erzählen.
6. Tag (14. Juli)
Eine unserer längsten Wanderungen steht heute auf dem Programm.
Wir besuchen den größten Vogelfelsen Europas Latrabjarg am westlichsten
Zipfel des Kontinents, dazu fahren wir bei gutem Wetter in Richtung
Vogelfelsen. Die Straße wir immer schmaler und steiniger, denn
wir werden heute nicht wie die meisten Touristen nur den vordersten
Teil mit den Papageientauchern anschauen sondern die enorme Steilküste
in ihrer ganzen Länge von 14km entlang gehen. So erreichen wir
am östlichen Ende, kurz nachdem wir das Auto abgestellt haben
einen kleinen Felsvorsprung von dem aus ein Blick auf die über
400m hohe Wand möglich ist. Vögel kreisen über unseren Köpfen
und wir sind vom der enormen Anzahl von Vögeln beeindruckt, die
überall zu sein scheinen.
Wir wandern entlang der senkrecht abfallenden Küste und haben
einen tollen Blick aufs Meer. Beim Anstieg aus einer Senke heraus
ziehen jedoch dicke Wolken vom Meer her über die Klippen. Wir
haben Nebel und es wird in kurzer Zeit richtig frisch und fängt
leicht an zu tropfen. Wir lassen uns jedoch nicht beirren. Kurze
Zeit später ist der Schauer durchgezogen und es wird wieder heller.
Nach einem Picknick besteht die Chance für denjenigen der will
in eine steil abfallende Schlucht abzusteigen und sich somit in
mitten der Vögel zu begeben. Etwa die Hälfte der Gruppen nimmt
den steilen und auf dem Gras recht rutschigen Abstieg in Angriff.
Nach etwa einer halben Stunde befinden wir uns auf halber Höhe
in der Wand. Der Ausblick, und die Tatsache sich nun inmitten
dieser gigantischen Vogelkolonie zu befinden entschädigt jedoch
mehrfach für die Anstrengung.
Als wir nach mehr als einer Stunde Kletterpartie wieder oben
waren hat der Himmel aufgerissen und die Sonne schien. Je weiter
wir nun entlang der Klippe gehen desto niedriger wird die Wand.
Zwischendurch legen wir uns immer wieder an der Kante auf den
Bauch und beobachten die Tordalken, Eissturmvögel, Dreifingermöwen,
Papageientaucher, Seeschwalben und Trottellummen. Dabei sind die
Landeanflüge aufs Nest und das Begrüßungsgeschnatter herrlich
anzuschauen. Je näher wir zum Ende des Vogelfelsens kommen desto
mehr Papageientauchern sehen wir und sind verblüfft darüber wie
nahe man sich diesen Vögeln nähern kann ohne das diese sich stören
lassen oder die Flucht ergreifen. Echt unglaublich!
Von der Sonne gebräunt und nach einem super schönen Tag mit viel
frischer Luft an dem wir viele herrliche Eindrücke von Millionen
Vögeln sammeln konnten fahren wir in die Juhe zurück und lassen
den Tag in einer gemütlichen Runde beim Abendessen ausklingen.
7. Tag (15. Juli)
Ebenfalls in dieser Gegend und nicht weit von der Juhe entfernt
befindet sich der Rote Strand von dem wir aus zu unseren kleinen
Erkundungstour aufbrechen. Wir folgen einem kleinen Pfad zu einem
Naturhafen der gleich hinter einem Hof begingt. Hier sollen sich
in vorigen Jahrhundert Boote vor den hohen Wellen der See in Sicherheit
gebracht und angelandet haben. Die Felsformationen und die Küstenlinie
zeigen hier das alltägliche Island wie man es fast überall entdecken
kann. Somit eine Entspannung von den bisherigen Highlights.
Auf dem Rückweg fängt es an zu nieseln, wir ziehen unsere Regenjacken
an und trotzen dem Wasser von oben. Am Strand stellen wir uns
noch zu einem Gruppenbild auf und genießen wie Ole mit jeder einzelnen
Kamera ein Bild von uns aufnimmt. Am Auto wieder angekommen hört
es auf und wir nehmen noch ein Picknick bevor wir anschließend
uns wieder auf den Weg machen. Als wir über die ersten Berge hinweggefahren
sind ändert sich das Wetter wieder und wir können die unglaublich
karge aber sehr schöne Fjordlandschaft Islands genießen. Als wir
nach einer langen Fahrt fast die ganzen Westfjorden durchquert
haben kommen wir zum Arnarfjördur und schauen uns dort den Wasserfall
Fjallfoss an.
Ole lässt uns aussteigen und parkt das Auto etwas abseits, da
er den Motor wegen unserer Startprobleme lieber laufen lässt damit
wir nachher sicher noch weiterfahren können. So stehen wir also
am Fuße einer großen Basaltstufe und haben den ersten Blick auf
den wunderschönen Wasserfall, der in seiner Art wohl ziemlich
einmalig sein dürfte. Die Wassermassen sind gar nicht so groß,
jedoch fächert sich das Wasser sehr gleichmäßig nach allen Seiten
auf. Deshalb sieht es so aus als ob sich ein weißer Vorhang über
die Felsen legt. Ein wunderschöner Anblick!
Wir steigen an den unteren kleineren Wasserfällen entlang auf
und erreichen nach kurzer Zeit den Fuß des Wasserfalls. Erst hier
kann man wirklich die ernorme Höhe des Wasserfalls erkennen, der
sich auch zu einer enormen Breite auffächert. Hier verbringen
wir einige Zeit und genießen den wunderschönen Blick auf den sich
von hier aus öffnenden Fjord. Die restlichen Wolken verziehen
sich mit der Zeit und die Sonnen kommt immer mehr heraus. Als
wir wieder am Auto zurück waren hatten wir Sonnenschein und konnten
die Ansicht noch in ihrer ganzen Farbenpracht bewundern.
Als wir wieder alle im Auto saßen ging es anschließend zu unserer
Unterkunft. Es ist heute bereits recht spät als wir dort ankommen.
Da es natürlich trotzdem noch hell ist gilt die Parole das wir
schnell zu Abend essen um anschließend alle noch ins Freibad zu
gehen um uns zu entspannen. Ole hat heute telefonisch organisiert
das für uns das Freibad heute Abend um 23.00Uhr noch mal öffnet.
So beziehen wir schell unsere Zimmer und essen zu Abend um gleich
darauf wieder ins Auto zu springen um zum Freibad zu fahren. Wir
haben das ganze Becken und den Hot Pot für uns allein, es ist
kurz vor Mitternacht und Ole kommt noch mit einer Überraschung.
Er packt eine Flasche "Schwarzen Tod" aus, einem Kümmel Wodka
den wir im warmen Wasser gemeinsam genießen. Gegen 1.00Uhr sind
wir wieder zurück in unserem heutigen Guesthouse und es ist bereits
ein bisschen dämmrig. Aber obwohl wir heute den Schlafsack nicht
auspacken müssen, weil wir den Komfort von gemachte Betten genießen
können setzen wir uns erst noch zusammen. Ole organisiert in der
Küche ein paar Bier, die wir dann morgen bezahlen können. So verbringen
wir noch einen lustigen Abend und als die Müdigkeit bei Sonnenaufgang
überhand nimmt legen wir uns nach einem ereignisreichen Tag noch
für ein paar Stunden auf Ohr.
8. Tag (16. Juli)
Nach einer zu kurzen Schlafphase muntert uns ein gutes Frühstück
auf und macht uns fit für den Tag. Wir fahren weiter nach Norden
und halten am Fähranleger an, stellen das Auto ab und machen uns
auf eine kleine Wanderung, die laut Aussage unseres Guide nur
ein bisschen gerade aus und dann bergab führt. Ole konnte die
Leute auf seine Art immer wieder dazu bringen mehr zu tun als
manch einer in der Gruppe eigentlich wollte oder sich zutraute.
Echt klasse!
So erreichen wir das Ende einer Schlucht in der wir Fossilien
einer längst untergegangenen Zeit entdecken können. Es erscheint
etwas befremdlich hier auf Island versteinerte Blätter und große
versteinerte Stücke von richtigen Baumstämmen zu entdecken, obwohl
es heute hier so gut wie keine Bäume gibt. Es muss also auf jeden
Fall schon mal erheblich wärmer auf Island gewesen sein, was man
sich kaum vorstellen kann. An einen kleinen Wasserfall halten
wir uns noch eine ganze Zeit lang auf und entspannen bei herrlichem
Sonnenschein. Zurück zum Auto geht es mit einem herrlichen Blick
aufs Meer nun wirklich bergab.
Anschließend bringen wir die längste Autostrecke auf der ganzen
Tour hinter uns. Die Strecke führt durch unbesiedelte Fjorde,
immer der Küstenlinie entlang. Irgendwann zwischendurch halten
wir an, packen unsere Kiste aus und machen ein Picknick. Dabei
ist die Sicht und das Wetter heute so gut das wir den über hundert
Kilometer entfernten Snaefelljöckel erkennen können. Schließlich
kommen wir an unserem heutigen Ziel dem Reiterhof Brekkulaekur
an und haben somit die Westfjorden wieder verlassen. Es ist das
Hauptquartier unseres Veranstalters und somit können wir auch
unser Auto in die Werkstatt zur Reparatur bringen. Wir steigen
provisorisch in einen gewöhnlichen Sprinter um, der auch ganz
schnell seinen Spitznamen "Rentnerbus" weg hat. Auf dem Reiterhof
fühlen wir uns gleich wohl und es gibt wieder einmal gut zu Essen.
Später sitzen wir noch zusammen und unterhalten uns und überlegen
uns noch einen Gästebucheintrag. Ich bin richtig glücklich über
das bis heute super tolle Wetter hier auf Island. Wie auf Bestellung
können wir uns heute Abend auch noch einen tollen Sonnenuntergang
anschauen. Die Wolken werden von unten angestrahlt und leuchten
so rot als ob sie brennen würden.
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